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Trotz Fahrverbot am Steuer: Experten fordern neue Wege gegen Raserei und Führerscheinverstöße

today6. Januar 2026

Hintergrund
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Mehr als 7.000 schwere Verkehrsunfälle in Deutschland im Jahr 2024 wurden von Menschen ohne gültigen Führerschein oder trotz verhängtem Fahrverbot verursacht. 93 Menschen starben, 1.473 wurden schwer verletzt. Über 42.000 Personen wurden verurteilt, weil sie trotz Fahrverbots illegal am Steuer saßen ein alarmierender Trend, wie die Unfallforschung der Versicherer berichtet.

„Die Gefahr, beim Regelbruch entdeckt zu werden, wird in Deutschland geringer eingeschätzt als in anderen europäischen Ländern. Viele Fahrer haben sich daran gewöhnt“, erklärt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung. Besonders betroffen sind 30- bis 50-jährige Männer, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegt: 89 Prozent der Befragten wurden nie kontrolliert. Frauen tauchen im Dunkelfeld offenbar stärker auf als bisher bekannt. Als Gründe für das Fahren ohne Führerschein nennen die Betroffenen Notfälle, Arbeit, Alltag und soziale Verpflichtungen.

Neue Ansätze für mehr Verkehrssicherheit
Die Unfallforscher schlagen deshalb vor, den Umgang mit Fahrverboten zu überdenken. Statt eines starren Führerscheinentzugs könnten Verkehrssünder künftig zwischen dem Fahrverbot und einem verkehrspsychologischen Programm wählen. Wer daran teilnimmt, dürfe weiterfahren die Bußgelder und Punkte im Fahreignungsregister blieben jedoch bestehen.

Das Programm sieht laut Zeidler sechs Einzelsitzungen mit Verkehrspsychologen und drei Seminare mit Fahrlehrern innerhalb von drei Monaten vor. Ziel sei es, nachhaltigeres Verhalten zu fördern und so die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen. „Eine professionelle Begleitung kann mehr Wirkung entfalten als reine Fahrverbote“, betont Zeidler.

Polizei warnt vor beruflichem Risiko
Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sieht Handlungsbedarf. „Viele Fahrten ohne Fahrerlaubnis erfolgen im beruflichen Kontext. Hier muss Arbeitgeberkontrolle wieder stärker in den Fokus rücken“, sagt Marco Schäler, Geschäftsführer der Kommission Verkehr. Ein aktueller Gesetzentwurf, der die Kontrolle durch Arbeitgeber bei Dienstwagen aufweicht, sei aus Sicht der Gewerkschaft problematisch. Halter von Fahrzeugen müssen sicherstellen, dass nur Berechtigte ans Steuer dürfen doch die Realität zeigt: Kontrolle fehlt oft.

Die Unfallforschung und die Polizei fordern damit eine Kombination aus strenger Kontrolle, Aufklärung und neuen, präventiven Maßnahmen, um die Zahl der illegalen Fahrten und die damit verbundenen Unfälle langfristig zu senken.

Geschrieben von: Florian Jäger

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