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today7. Januar 2026
Die Mehrwertsteuer auf Speisen ist gesenkt doch wer in Lippe ins Restaurant geht, merkt davon kaum etwas. Statt günstigerer Gerichte stehen vielerorts gleichbleibende oder sogar höhere Preise auf den Speisekarten. Was für Gäste zunächst widersprüchlich klingt, hat für Gastronomen handfeste Gründe, berichten Medien.
Entlastung auf dem Papier Druck im Alltag
Die Rückkehr zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz sollte der Gastronomie Luft verschaffen. Doch in der Praxis verpufft dieser Effekt schnell. Seit Monaten kämpfen viele Betriebe mit massiv gestiegenen Kosten: Energie, Mieten und vor allem Lebensmittel sind deutlich teurer geworden. Was früher kalkulierbar war, ist heute ein täglicher Balanceakt. Die Steuerersparnis wird deshalb häufig nicht an die Gäste weitergegeben, sondern dient dazu, gestiegene Ausgaben überhaupt auffangen zu können.
Personal wird teurer und bleibt knapp
Ein weiterer entscheidender Faktor sind die Personalkosten. Steigende Löhne und der anhaltende Fachkräftemangel setzen Restaurants zusätzlich unter Druck. Gerade kleine und familiengeführte Betriebe in Lippe stehen vor der Frage, wie sie ihre Mitarbeitenden fair bezahlen und gleichzeitig wirtschaftlich überleben sollen. Viele Wirte sagen offen: Ohne die Steuersenkung hätten sie die Preise bereits deutlich anheben müssen.
Keine Preissenkung, sondern Schadensbegrenzung
Branchenvertreter machen klar: Die niedrigere Mehrwertsteuer ist keine Einladung zu Dumpingpreisen, sondern eine Art Schutzschild. Ziel sei es, weitere Preissprünge zu verhindern und die Existenz der Betriebe zu sichern. Für Gäste bedeutet das: Auch wenn die Politik Entlastung verspricht, entscheidet am Ende die Realität hinter den Küchentüren. Und die ist derzeit alles andere als günstig.
Kommentar
Die Enttäuschung sitzt tief bei vielen Gästen: Die Mehrwertsteuer sinkt, doch auf dem Teller bleibt alles beim Alten zumindest beim Preis. Was nach politischem Versprechen klingt, entpuppt sich in der Realität als komplizierte Rechenaufgabe für eine Branche am Limit. Wer den Gastronomen jetzt vorwirft, sie würden die Steuerersparnis einfach einstecken, macht es sich zu leicht.
Denn die Gastronomie ist längst zum Seismografen der allgemeinen Kostenkrise geworden. Steigende Energiepreise, teure Lebensmittel und höhere Löhne treffen kaum eine andere Branche so unmittelbar. Die Steuersenkung wirkt da weniger wie ein Geschenk, sondern eher wie ein Pflaster auf eine offene Wunde. Sie heilt nicht sie verhindert nur Schlimmeres.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Speisekarten ein politisches Dilemma: Entlastungen kommen bei den Menschen oft nicht dort an, wo sie sichtbar werden sollen. Das sorgt für Frust und schürt Misstrauen gegenüber politischen Entscheidungen. Vielleicht wäre mehr Ehrlichkeit besser gewesen die klare Botschaft, dass diese Maßnahme in erster Linie Betriebe stabilisieren soll, nicht den Restaurantbesuch verbilligt.
Am Ende bleibt eine unbequeme Wahrheit: Wer möchte, dass Restaurants in Lippe überleben, muss akzeptieren, dass gutes Essen seinen Preis hat. Die Steuersenkung ist kein Freifahrtschein für günstige Menüs sondern eine stille Rettungsleine für eine Branche, die noch lange nicht über den Berg ist.
Geschrieben von: Florian Jäger
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