Lemgo

Firmensterben in OWL: Zieht jetzt die Dunkelwolke über 2026 auf?

today13. Januar 2026

Hintergrund
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Der traditionsreiche Befestigungsspezialist Joseph Dresselhaus GmbH & Co. KG verlässt Herford. Neuer Hauptsitz der Unternehmensgruppe wird das Industriegebiet Lieme-West in Lemgo. Das teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Hintergrund ist ein Sanierungsprozess im Rahmen des Insolvenzverfahrens, dem die Gläubiger zugestimmt haben. Rund 300 Arbeitsplätze sollen dadurch gesichert werden. Zuletzt beschäftigte Dresselhaus etwa 580 Mitarbeitende, der Großteil davon in Herford.

Neuer Anteilseigner wird Torqx Capital Partners, Eigentümer des niederländischen Befestigungsspezialisten Fabory. Die strategische Partnerschaft zweier führender europäischer Anbieter für Befestigungs- und Verbindungstechnik soll laut Unternehmen neue Wachstumsmöglichkeiten eröffnen. Der auf Einzelhandel und DIY spezialisierte Standort Lieme wird 2026 zum neuen Hauptsitz der Dresselhaus-Gruppe. Warenflüsse und Logistik sollen künftig über einen langjährigen Partner in der Nähe von Bielefeld sowie über Fabory im niederländischen Tilburg abgewickelt werden. Der Standort Maisach bleibt für Süddeutschland, Österreich und Südosteuropa zuständig. Der Standort Herford soll im Sommer geschlossen werden.

Doch der Fall Dresselhaus steht nicht allein. Nach Recherchen von Lemgo Radio spitzt sich die wirtschaftliche Lage bundesweit zu. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist zum Jahresende 2025 deutlich gestiegen. Allein im Dezember lag der Anstieg bei über 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen: Verkehr, Logistik, Bau und Gastgewerbe. Experten rechnen für 2025 mit deutlich mehr als 23.000 Firmenpleiten.

Auch regional zeigt sich die Dramatik. In Lippe erreichten die Insolvenzzahlen den höchsten Stand seit rund zehn Jahren. Laut Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold meldeten allein in den ersten drei Quartalen 2025 insgesamt 93 Unternehmen Insolvenz – ein Plus von 41 Prozent. Hauptgeschäftsführerin Svenja Jochens spricht von großer Unsicherheit und schwindender Liquidität in vielen Betrieben.

Viele Wirtschaftsexperten, mit denen Lemgo Radio gesprochen hat, warnen eindringlich: 2026 könnte ein „dunkles Jahr“ für den Mittelstand werden. Hohe Energiepreise, Steuerlast, Bürokratie und Handelshemmnisse setzen Unternehmen massiv unter Druck. Die Forderung ist klar: Die Bundesregierung müsse dringend handeln, um Betriebe zu entlasten, Arbeitsplätze zu sichern und einen weiteren wirtschaftlichen Absturz zu verhindern.

Der Umzug von Dresselhaus nach Lemgo sichert zwar Arbeitsplätze – ist aber zugleich ein weiteres Warnsignal. Die Region steht vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Ob die Politik rechtzeitig gegensteuert, wird entscheidend dafür sein, wie tief die Krise noch geht.

Geschrieben von: stanley.dost

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