Regional

Großprojekt Maibolte auf dem Prüfstand: Vieles spricht dafür – doch wichtige Details sind noch offen

today13. Januar 2026

Hintergrund
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Das geplante Großprojekt am Kompostwerk Maibolte beschäftigt Politik, Verwaltung und Bürgerschaft gleichermaßen. Für einen zweistelligen Millionenbetrag soll die Anlage deutlich erweitert und modernisiert werden. Eine eigene Recherche von Lemgo Radio zeigt: Die Grundzüge des Projekts sind nachvollziehbar und gut begründet – bei zentralen Punkten fehlen bislang jedoch belastbare öffentliche Nachweise.

Geplant ist, am Standort Maibolte ein gemeinsames Kompostwerk der Bioverwertung Lemgo GmbH zu errichten. Beteiligt sind die Stadt Bielefeld, der Kreis Herford und der Kreis Lippe. Ziel der Kooperation ist es, die Bioabfallverwertung in der Region langfristig zu sichern, neue gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und gleichzeitig die energetische Nutzung der Abfälle zu verbessern.

Kooperation und Zeitplan gelten als schlüssig

Nach Recherchen von Lemgo Radio entspricht die geplante Zusammenarbeit dem aktuellen Kurs vieler Kommunen: Statt einzelner, kleiner Anlagen sollen größere, moderne Werke entstehen, die wirtschaftlicher arbeiten und strengere Umweltauflagen erfüllen können. Der anvisierte Start des neuen Kompostwerks im Jahr 2029 sowie die auf 30 Jahre ausgelegte Kooperation gelten in Fachkreisen als realistisch.

Auch die geplanten Mengen erscheinen plausibel. Künftig sollen rund 84.000 Tonnen Bioabfall pro Jahr in Lemgo verarbeitet werden. Die Beteiligungsquoten der Partner orientieren sich dabei am jeweiligen Abfallaufkommen, wobei der Kreis Lippe den größten Anteil hält, gefolgt von Herford und Bielefeld.

Kosten und Flächenbedarf bleiben unklar

Offen ist hingegen weiterhin die genaue Höhe der Investitionskosten. Während in offiziellen Darstellungen häufig von rund 75 Millionen Euro die Rede ist, kursieren inzwischen auch Angaben von „gut 77 Millionen Euro“. Eine eindeutige, öffentlich zugängliche Bestätigung für diese höhere Summe konnte Lemgo Radio bislang nicht finden.

Besonders sensibel ist zudem die geplante Erweiterung der Fläche an der Maibolte. Das Areal soll nahezu verdoppelt werden, wofür eine Änderung des Regionalplans notwendig ist. Wie viel Wald tatsächlich betroffen wäre und in welchem Umfang Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen sind, ist bislang nicht abschließend geklärt. Zwar hat die Verwaltung angekündigt, entsprechende Gutachten nachzureichen, konkrete Unterlagen liegen der Öffentlichkeit jedoch noch nicht vor.

Verkehr und Umweltfolgen noch zu prüfen

Auch die möglichen Auswirkungen auf den Verkehr sorgen für Nachfragen. Von bis zu zehn zusätzlichen Lkw-Fahrten pro Tag ist die Rede. Ob diese Zahl realistisch ist und welche Belastungen dadurch für Anwohner entstehen könnten, soll erst ein Verkehrsgutachten zeigen. Ähnlich verhält es sich mit Umwelt- und Artenschutzfragen, die nach Angaben der Verwaltung erst in den kommenden Planungsschritten detailliert untersucht werden sollen.

Geschrieben von: stanley.dost

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