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„Sondervermögen“ ist Unwort des Jahres 2025

today13. Januar 2026

Hintergrund
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Es klingt nach Reichtum, meint aber das Gegenteil: Eine Jury aus Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern hat den Begriff „Sondervermögen“ zum Unwort des Jahres 2025 gewählt. Die Initiative kritisiert, dass das Wort im politischen Sprachgebrauch verschleiere, worum es tatsächlich gehe – um neue Schulden. Damit werde eine offene demokratische Debatte untergraben.

Nach Angaben der Jury, die von der Marburger Initiative getragen wird, habe sich der Ausdruck 2025 besonders stark in Debatten über Staatsverschuldung und staatliche Investitionsprogramme festgesetzt. Das Problem: Während „Sondervermögen“ im Verwaltungsdeutsch eine klar definierte Bedeutung habe, orientierten sich viele Bürgerinnen und Bürger an der Alltagsbedeutung des Wortes. Diese suggeriere Rücklagen oder finanziellen Überschuss – nicht aber Kreditaufnahme.

„Der Technizismus verdeckt, was gemeint ist: Schulden“, heißt es in der Begründung der Jury. Gerade diese beschönigende Wirkung mache den Begriff aus sprachkritischer Sicht so problematisch.

Weitere problematische Begriffe auf dem Prüfstand

Auf Platz zwei der Unwort-Liste landete der Begriff „Zustrombegrenzungsgesetz“. Die Jury beanstandet hier vor allem die zugrunde liegende Wassermetapher, die Migration als bedrohliche Naturgewalt darstelle.

Als persönliches Unwort wählte das diesjährige Gastmitglied, der Journalist Ronen Steinke, den Begriff „Umsiedlung“. Dieser sei 2025 von israelischen wie auch amerikanischen Politikern verwendet worden, um die dauerhafte Vertreibung der Bevölkerung aus dem Gazastreifen zu legitimieren. „Was wie eine Wohltat klingt, verschleiert ein Verbrechen“, so Steinke.

Sprachkritik seit über drei Jahrzehnten

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 vergeben. Im Vorjahr fiel die Wahl auf „Biodeutsch“. Ziel der Aktion ist es, für einen verantwortungsvollen Umgang mit Sprache zu sensibilisieren – insbesondere dort, wo Worte diskriminieren, verschleiern oder demokratische Grundprinzipien verletzen. Entscheidend ist dabei nicht die Häufigkeit eines Begriffs, sondern seine gesellschaftliche Wirkung.

Einen Kontrapunkt setzte Anfang Dezember die Gesellschaft für deutsche Sprache: Sie kürte „KI-Ära“ zum Wort des Jahres 2025 – ein Begriff, der nach Ansicht der Jury prägend für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft war.

Geschrieben von: stanley.dost

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