„Wenn der Schulhof ins Handy wandert“ Stadt Lemgo kämpft gegen Mobbing im digitalen Zeitalter – Lemgo Radio Nachrichten
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„Wenn der Schulhof ins Handy wandert“ Stadt Lemgo kämpft gegen Mobbing im digitalen Zeitalter

Florian Jäger

Mobbing ist kein neues Phänomen. Doch was sich früher auf den Schulhof beschränkte, setzt sich heute nach Unterrichtsschluss auf dem Smartphone fort rund um die Uhr, oft anonym und mit ungleich größerer Reichweite.

Mobbing ist kein neues Phänomen. Doch was sich früher auf den Schulhof beschränkte, setzt sich heute nach Unterrichtsschluss auf dem Smartphone fort rund um die Uhr, oft anonym und mit ungleich größerer Reichweite. Die Stadt Lemgo stellt sich dieser Entwicklung aktiv entgegen. „Mobbing ist an unseren Schulen immer wieder ein Thema“, sagt Juliane Gaßmann, Bereichsleiterin des Geschäftsbereichs Jugend und Schule bei der Stadt Lemgo. Zu ihrem Verantwortungsbereich gehören unter anderem die Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, die an allen städtischen Schulen im Einsatz sind. Ihre Aufgabe: zuhören, vermitteln, stärken und frühzeitig eingreifen. Nach Einschätzung Gaßmanns ist Lemgo dabei gut aufgestellt. „Ich denke, dass wir das hier bei uns in der Stadt und in den Schulen gut bearbeiten und gut bewältigen können“, betont sie. Entscheidend sei die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Schulen und sozialpädagogischen Fachkräften. Auch Bürgermeister Markus Baier sieht im digitalen Wandel eine neue Herausforderung. „Die sozialen Medien sind ein Faktor, der Mobbing noch verstärkt im Vergleich zu meiner Jugend“, erklärt er. Beleidigungen, Ausgrenzung oder Bloßstellungen endeten heute nicht mehr mit dem Klingelzeichen. Sie verbreiteten sich in Chats, sozialen Netzwerken und Klassen-Gruppen weiter sichtbar für viele und dauerhaft abrufbar. Umso wichtiger sei es, präventiv zu arbeiten. Neben der Schulsozialarbeit setzt die Stadt deshalb auch auf kreative Projekte, etwa Kooperationen mit Theatergruppen. Ziel ist es, das Thema Mobbing greifbar zu machen, Empathie zu fördern und Schülerinnen und Schülern Strategien im Umgang mit Konflikten zu vermitteln. Für Bürgermeister Baier steht fest: „Es ist ein gesellschaftlich relevantes Thema, das wir als Stadt aktiv begleiten müssen.“ Gleichzeitig richtet er einen Appell an die Landespolitik. Schulsozialarbeit dürfe kein freiwilliger Luxus sein, sondern brauche eine verlässliche und stärkere finanzielle Förderung. Denn klar ist: Wenn der Schulhof ins Handy wandert, braucht es mehr denn je Erwachsene, die hinschauen, handeln und junge Menschen schützen.

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