Sicher und entspannt gehen für viele Menschen mit Unterschenkelamputation ist das keine Selbstverständlichkeit. Genau hier setzt das neue Forschungsprojekt „iProt“ an, das an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) gestartet ist , berichtet mein Lemgo News. Ziel ist die Entwicklung einer intelligenten Unterschenkelprothese, die Bewegungen erkennt, sich automatisch anpasst und ihre Nutzerinnen und Nutzer aktiv unterstützt.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Komfort, sondern vor allem Sicherheit und Selbstständigkeit im Alltag. Das Projekt kombiniert moderne Sensorik mit exoskelettbasierten Technologien. Die Prothese soll Gangmuster analysieren, Belastungen messen und vorausschauend reagieren statt nur passiv zu funktionieren.
Herkömmliche Prothesen stoßen im Alltag oft an ihre Grenzen. Sie bestehen meist aus standardisierten Bauteilen und sind stark von einer perfekten individuellen Anpassung abhängig. Schon kleine Ungenauigkeiten können Schmerzen, Druckstellen oder Unsicherheit beim Gehen verursachen.
„iProt“ verfolgt deshalb einen dynamischen Ansatz. Die Prothese soll sich aktiv an das individuelle Gangbild anpassen und Belastungen gezielt ausgleichen. Entwickelt wird sie im Lehr- und Forschungsbereich Optical Engineering der TH OWL gemeinsam mit dem Institut für Energieforschung.
Unterstützt wird das Projekt von einem starken Partnernetzwerk: dem Fraunhofer IOSB-INA, der Servicefertigung Kremser GmbH und der NatStruct AG. Gemeinsam arbeiten sie an intelligenten Regelalgorithmen, moderner Sensorik und passgenauer Fertigung. Ziel ist ein Prothesensystem, das Stabilität erhöht, Bauteile schont und die Lebensdauer der Technik verlängert.
Projektleiter Professor Dr. Oliver Stübbe bringt seine Expertise in additiv gefertigter Drucksensorik ein. Sensoren sollen Druck, Temperatur und Belastung kontinuierlich messen und so eine präzise Anpassung der Prothese ermöglichen.
In den kommenden Projektphasen werden Prototypen entwickelt und unter realen Bedingungen getestet. Gefördert wird „iProt“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, Mobilität und Lebensqualität von Menschen mit Amputation spürbar zu verbessern.

