Schlaglöcher, Stau, Stillstand: Warum Deutschlands Städte beim Verkehr durchfallen – Lemgo Radio Nachrichten
Lokales10 Min. Lesezeit

Schlaglöcher, Stau, Stillstand: Warum Deutschlands Städte beim Verkehr durchfallen

Florian Jäger

Der Frust über die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland wächst besonders in den Großstädten.

Der Frust über die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland wächst besonders in den Großstädten. Laut einer repräsentativen Umfrage des TÜV-Verbands zeigen sich fast zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger mit der Verkehrsraumgestaltung in ihrer Kommune unzufrieden. 64 Prozent bewerten die Situation kritisch, nur sieben Prozent sind „sehr zufrieden“.

„Wenn Busse zu spät kommen, Radwege abrupt enden und Straßen marode sind, ist Unzufriedenheit vorprogrammiert“, erklärt Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband. Die Erwartungen an sichere, funktionierende Verkehrswege seien hoch – und würden vielerorts nicht erfüllt.

Großstädte als Brennpunkte der Unzufriedenheit

Besonders deutlich fällt die Kritik in Metropolen aus. In Städten mit sehr hoher Bevölkerungsdichte äußern sich 77 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Verkehrssituation. Goebelt bezeichnet Großstädte als „Laborräume der Verkehrswende“: Umbauten, neue Verkehrsführungen und Dauerbaustellen prägten den Alltag, berichten Medien. Während Einschränkungen sofort spürbar seien, ließen positive Effekte oft lange auf sich warten.

Doch auch außerhalb der Metropolen ist die Stimmung angespannt. In dicht besiedelten Regionen liegt die Unzufriedenheit bei 69 Prozent, in mittel besiedelten Gebieten bei 62 Prozent. Selbst in ländlichen Regionen zeigt sich eine Mehrheit kritisch wenn auch auf etwas niedrigerem Niveau.

Bürger fordern Verlässlichkeit statt Prestigeprojekte

Gefragt nach den wichtigsten Maßnahmen für eine sichere und stressfreie Mobilität setzen die Befragten klare Prioritäten. An erster Stelle steht die Sanierung und Instandhaltung von Straßen und Wegen (42 Prozent). Der Ausbau eines zuverlässigen öffentlichen Nahverkehrs folgt mit 34 Prozent.

Weitere zentrale Anliegen sind mehr Parkmöglichkeiten, eine intelligentere Ampelsteuerung für besseren Verkehrsfluss sowie eine stärkere Anbindung ländlicher Räume. Radverkehr, Verkehrsberuhigung und Ladeinfrastruktur für E-Autos spielen ebenfalls eine Rolle rangieren jedoch deutlich hinter dem Wunsch nach einer funktionierenden Basisinfrastruktur.

„In vielen Kommunen fehlen Geld, Personal und Planungskapazitäten“, so Goebelt. Entscheidend sei ein ausgewogener Verkehrsraum, der Fußgänger, Radfahrende, Autofahrer und Lieferverkehre gleichermaßen berücksichtigt.

TÜV Award zeichnet Vorreiter der Mobilitätswende aus

Um positive Beispiele sichtbar zu machen, verleiht der TÜV-Verband erstmals den Award „New Mobility City“. Ausgezeichnet werden Kommunen, die mit innovativen und datenbasierten Verkehrskonzepten zu mehr Sicherheit, Lebensqualität und nachhaltiger Mobilität beitragen. Grundlage der Bewertung sind reale Mobilitäts- und Unfalldaten.

„Wir wollen zeigen, dass es in Deutschland Kommunen gibt, die mutig und verantwortungsvoll vorangehen“, betont Goebelt. Die Nominierten werden am 14. April 2026 bekanntgegeben, die Preisverleihung findet am 10. Juni 2026 im Rahmen der TÜV Mobility Conference in Berlin statt.

Lemgo Radio

Jetzt einschalten!