Provokanter Sticker, empörte Reaktionen: Burschenschaft sorgt auf Messe für Aufsehen – Lemgo Radio Nachrichten
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Provokanter Sticker, empörte Reaktionen: Burschenschaft sorgt auf Messe für Aufsehen

Stanley Dost

Zwischen Jagdmessern, Ferngläsern und Trachtenhüten sorgt ein Messestand für heftige Diskussionen: Auf der Messe „Jagd & Hund“ in Dortmund wirbt die Deutsche Burschenschaft mit provokanten Aufklebern und politischen Botschaften um Aufmerksamkeit – und stößt damit auf massive Kritik, berichtet die BILD.

Am Stand in Halle 4 präsentiert sich der Dachverband studentischer Verbindungen mit seinem traditionellen Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“. Für besondere Empörung sorgt jedoch ein quadratischer Sticker mit der Frage: „Woke sein ist voll schwul?“ Darunter die Aufforderung: „Werde Burschenschafter!“ Der Aufkleber liegt offen aus und wird gezielt verteilt.

Ein Vertreter der Deutschen Burschenschaft erklärte gegenüber BILD, es handele sich bewusst um eine Frage, nicht um eine Aussage. Die Intention sei eine „Kritik am Wokismus“. Dass sich Menschen durch die Wortwahl verletzt oder beleidigt fühlen könnten, spiele für die Standbetreiber nach eigener Aussage keine Rolle. Wörtlich hieß es: „Das ist uns völlig egal.“

Der Vorwurf von Diskriminierung und Homophobie weist die Burschenschaft zurück. Man erlebe selbst Ausgrenzung an Hochschulen, etwa durch Parolen wie „Burschis raus“. Der provokante Auftritt sei Ausdruck des eigenen Verständnisses von Meinungsfreiheit und „Nicht-Mainstream-Sein“.

Politik und Interessenverbände reagierten jedoch deutlich. Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Innenexperte Stephan Mayer bezeichnete den Aufkleber als „abstoßend und diskriminierend“ und sprach von einer Grenzüberschreitung bis hin zu Schwulenhass. Auch der LSVD Verband Queere Vielfalt verurteilte die Aktion scharf. Wenn Begriffe wie „schwul“ als Schimpfwort benutzt würden, sei dies keine sachliche Debatte, sondern eine gezielte Herabsetzung der Würde anderer Menschen.

Begleitend zu den Stickern wirbt die Deutsche Burschenschaft mit Flyern, in denen sie sich als „Gegenbewegung“ zu einem aus ihrer Sicht „linken Bildungswesen“ darstellt. Ziel sei es, „linke Ideologie aus dem Bildungswesen zu verbannen“ und eine eigene Vorstellung von Meinungsfreiheit zu leben. Gesucht würden dabei explizit „Student, männlich, deutsch“.

Der Auftritt auf der Messe zeigt, wie stark politische und gesellschaftliche Konfliktlinien inzwischen auch in Bereiche reichen, die ursprünglich unpolitisch erscheinen. Die Frage, ob Provokation noch Meinungsfreiheit oder bereits gezielte Diskriminierung ist, dürfte die Debatte über diesen Messestand noch lange begleiten.

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