Er hat Figuren erschaffen, die Generationen von Kindern geprägt haben: Tiger, Bär und natürlich die berühmte Tigerente. Der deutsche Kinderbuchautor Janosch wird nun 95 Jahre alt und blickt auf ein außergewöhnliches Leben zurück, in dem Fantasie und Schmerz eng miteinander verbunden waren.
Geboren wurde der Schriftsteller 1931 im oberschlesischen Bergarbeiterort Zabrze unter dem bürgerlichen Namen Horst Eckert. Seine Kindheit beschrieb er später selbst als „Hölle". Gewalt in der Familie, Angst und strenge religiöse Erziehung prägten seine frühen Jahre. Auch die Zeit in der Hitlerjugend hinterließ bei ihm tiefe Spuren.
Trotz dieser schwierigen Erfahrungen entwickelte Janosch eine kreative Welt, die von Freundschaft, Wärme und einfachen Glücksmomenten erzählt. Den großen Durchbruch feierte er 1978 mit seinem Kinderbuch Oh, wie schön ist Panama. Darin begeben sich Tiger und Bär auf eine Reise auf der Suche nach dem vermeintlichen Paradies nur um am Ende festzustellen, dass das Glück oft näher liegt, als man denkt. Das Buch wurde weltweit millionenfach verkauft und in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Insgesamt veröffentlichte Janosch mehr als 150 Bücher und prägte damit die Kinderliteratur im deutschsprachigen Raum nachhaltig. Figuren wie die Tigerente wurden längst zu Kultsymbolen und finden sich heute auf Spielsachen, Kleidung und in Fernsehsendungen wieder.
Doch hinter der warmen, humorvollen Welt seiner Geschichten verbirgt sich auch eine dunklere Seite. Viele seiner Romane für Erwachsene, etwa Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm, greifen die harten Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend auf. Sie erzählen von Armut, Gewalt und der Sehnsucht nach Heimat.
Seit mehr als vier Jahrzehnten lebt der Autor zurückgezogen auf der spanischen Insel Teneriffa. Interviews gibt er heute kaum noch. Stattdessen widmet sich die Janosch-Gesellschaft dem Erhalt seines literarischen Erbes.
Was seine Geschichten bis heute so besonders macht, ist ihre einfache Botschaft: Freundschaft, Liebe und ein bisschen Mut können die Welt verändern selbst dann, wenn das eigene Leben nicht immer leicht war.

