Bargeld unter Druck: Verbände fordern gesetzliches Recht auf Barzahlung – Lemgo Radio Nachrichten
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Bargeld unter Druck: Verbände fordern gesetzliches Recht auf Barzahlung

Florian Jäger

Kartenzahlung, Smartphone, Smartwatch bargeldloses Bezahlen wird auch in Deutschland immer selbstverständlicher, berichten Medien. Doch nicht alle können oder wollen diesen Weg mitgehen.

Kartenzahlung, Smartphone, Smartwatch bargeldloses Bezahlen wird auch in Deutschland immer selbstverständlicher, berichten Medien. Doch nicht alle können oder wollen diesen Weg mitgehen. Verbraucher- und Sozialverbände schlagen nun Alarm und fordern vom Gesetzgeber ein klar geregeltes Recht auf Barzahlung.

In einem gemeinsamen Appell verlangen insgesamt 14 Organisationen, dass Bargeld dauerhaft als allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel erhalten bleibt. Zudem solle sichergestellt werden, dass alle Menschen kostenfrei und barrierefrei Zugang zu Bargeld haben etwa über Geldautomaten oder alternative Versorgungsmodelle. Hintergrund ist die Sorge, dass Barzahlung im Alltag zunehmend erschwert wird.

Hinter dem Vorstoß stehen unter anderem der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Paritätische Gesamtverband, der Sozialverband VdK, die Arbeiterwohlfahrt sowie Diakonie und Caritas. Unterstützt wird der Appell auch von Senioren- und Kinderhilfsorganisationen sowie Verbänden aus Handwerk und Schaustellerbranche.

Tatsächlich berichten Verbraucherzentralen seit Längerem von wachsenden Hürden: Selbstbedienungskassen ohne Bargeldfunktion, der Rückbau von Geldautomaten oder Geschäfte, die Kartenzahlung bevorzugen. Zwar verweisen Handelsverbände darauf, dass Bargeld weiterhin fast überall akzeptiert werde für Händler sei dieser Service jedoch mit steigenden Kosten verbunden.

Ein Blick nach Skandinavien zeigt, wohin die Entwicklung führen könnte. In Ländern wie Schweden laufen inzwischen rund 80 Prozent aller Zahlungen digital, viele Geschäfte akzeptieren gar kein Bargeld mehr. Bargeld wird dort teilweise nur noch für Notfälle empfohlen, etwa bei Systemausfällen. Genau davor warnen die Verbände: Ohne Bargeld könnten soziale Strukturen verloren gehen vom Vereinsfest bis zum Kinderflohmarkt.

In Deutschland ist die Bargeldversorgung bislang gesichert. Die Deutsche Bundesbank stellt Banknoten und Münzen bereit, dennoch zeigt eine aktuelle Untersuchung: Die Akzeptanz von Bargeld nimmt schleichend ab. Zwar gilt grundsätzlich ein Annahmezwang, Ausnahmen sind jedoch erlaubt. Eine gesetzliche Obergrenze für Barzahlungen gibt es nicht, ab 10.000 Euro greifen allerdings Regelungen des Geldwäschegesetzes.

Für die Verbände steht fest: Bargeld ist mehr als nur ein Zahlungsmittel es ist ein Stück gesellschaftliche Teilhabe. Ob der Gesetzgeber darauf reagiert, bleibt abzuwarten.

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