Wer aktuell in Nordrhein-Westfalen unterwegs ist, braucht starke Nerven: Zahlreiche Baustellen und Sperrungen prägen das Verkehrsgeschehen. „Aktuell beobachten wir tatsächlich viele Baustellen und Sperrungen“, sagt Petra Sommer aus der WDR-Verkehrsredaktion. Neben langfristigen Projekten seien zuletzt auch kurzfristige Maßnahmen hinzugekommen. Zudem begünstige das Frühlingswetter die Bauarbeiten, da mehr umgesetzt werden könne als in den Wintermonaten.
Auch aus Sicht des ADAC ist die Lage angespannt. „Es sind mittlerweile so viele Baustellen zu koordinieren, da sind Konflikte gar nicht zu vermeiden“, erklärt Mobilitätsexperte Roman Suthold. Eine kurzfristige Besserung sei nicht in Sicht vor allem wegen der zahlreichen sanierungsbedürftigen Brücken im Land.
Ein möglicher Ansatz liegt laut Suthold in einer besseren Abstimmung der Baustellen. Während Autobahn GmbH und Straßen.NRW bereits vergleichsweise transparent arbeiteten, fehle bislang eine verpflichtende Einbindung der Kommunen in die Planungsprozesse. Genau hier setzt die Landespolitik an.
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer hatte bereits angekündigt, Baustellen künftig besser koordinieren zu wollen, um Staus zu reduzieren und Umleitungen effizienter zu nutzen. Ab 2027 sollen daher alle Kommunen verpflichtet werden, das einheitliche Meldesystem „Traffic Information Center (TIC Kommunal)“ zu nutzen.
Das System, das bereits 2019 eingeführt wurde, ermöglicht es Kommunen und Kreisen, geplante Baustellen und Umleitungen frühzeitig einzutragen. Die Daten werden automatisch abgeglichen, sodass Überschneidungen und mögliche Konflikte früh erkannt werden können. In der Landesverkehrszentrale werden diese Informationen ausgewertet.
Die geplanten Änderungen sind auch Thema im Verkehrsausschuss des NRW-Landtags im Rahmen des neuen Straßen- und Wegegesetzes. Ziel ist ein insgesamt verbessertes Baustellenmanagement, das für mehr Transparenz und weniger Verkehrsprobleme sorgen soll.
Der ADAC bewertet die verpflichtende Einführung des Systems als „Meilenstein für das Verkehrsflussmanagement“. Zwar werde dies die Probleme nicht sofort lösen, doch ein besserer Informationsfluss könne spürbare Verbesserungen bringen. „50 Prozent der Probleme könnten schon damit behoben werden, wenn es frühzeitig mitgeteilt wird“, so Suthold. Pendler hätten so die Möglichkeit, sich besser auf die Situation einzustellen.

