Die Diskussion um den hohen Krankenstand in Deutschland nimmt weiter Fahrt auf. Während aus der Politik Forderungen nach einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung laut werden, schlagen Hausärzte nun Alarm. Der Hausärzteverband warnt eindringlich davor, das seit der Corona-Pandemie etablierte Instrument wieder zu streichen.
„Alle bisherigen Auswertungen der Krankenkassen zeigen klar, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu mehr Missbrauch führt“, betont der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier. Im Gegenteil: Sie entlaste Arztpraxen spürbar und schütze Patientinnen und Patienten davor, sich krank in volle Wartezimmer begeben zu müssen.
Auslöser der Debatte sind Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz, der den durchschnittlichen Krankenstand von rund drei Wochen pro Beschäftigtem kritisiert hatte. Als einen möglichen Grund nannte er die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung, die 2021 während der Corona-Pandemie eingeführt und später dauerhaft verankert wurde.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte inzwischen eine Überprüfung der Regelung an. Beier hält dies für unnötig und spricht von einem „bewährten Instrument zum Bürokratieabbau“. Die telefonische Krankschreibung sei streng geregelt: Sie gelte nur für bekannte Patienten und sei auf maximal fünf Tage begrenzt.
Unterstützung erhält der Hausärzteverband aus der Politik. Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen warnt vor mehr Bürokratie und zusätzlichen Belastungen für Praxen und Patienten. Auch SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis mahnt, Kranke nicht unter Generalverdacht zu stellen. Entscheidend sei Prävention nicht die Einschränkung sinnvoller und verantwortungsvoller Regelungen.

