Lebensgefahr auf zugefrorenen Gewässern: Warum Eisflächen trügerisch sein können – Lemgo Radio Nachrichten
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Lebensgefahr auf zugefrorenen Gewässern: Warum Eisflächen trügerisch sein können

Florian Jäger

Sobald Seen und Teiche im Winter zufrieren, wächst vor allem bei jungen Menschen die Versuchung, die winterliche Kulisse für Schlittschuhlaufen oder Spaziergänge auf dem Eis zu nutzen.

Sobald Seen und Teiche im Winter zufrieren, wächst vor allem bei jungen Menschen die Versuchung, die winterliche Kulisse für Schlittschuhlaufen oder Spaziergänge auf dem Eis zu nutzen. Was idyllisch aussieht, birgt jedoch erhebliche Risiken, berichtet mein Lemgo News. Unter Schnee und Eis lauern Gefahren, die schnell lebensbedrohlich werden können.

Eis braucht Zeit und ist nicht überall gleich stark

Bis sich eine geschlossene und tragfähige Eisdecke bildet, vergehen abhängig von Witterung und örtlichen Bedingungen mehrere Tage oder sogar Wochen. Besonders tückisch sind fließende Gewässer: Sie frieren deutlich langsamer zu und tauen schneller wieder auf als stehende Seen oder Teiche.

Auch bei stehenden Gewässern ist die Eisdecke nicht gleichmäßig dick. Zuflüsse, Quellen, Gaseinschlüsse, Pflanzenbewuchs oder Wasserbewegungen können das Eis stark ausdünnen. Liegt zusätzlich Schnee auf der Eisfläche, verlangsamt sich der Gefrierprozess weiter, da der Schnee isolierend wirkt und die Kälte nicht bis zur Eisoberfläche vordringt.

Warnungen ernst nehmen und Regeln beachten

Behörden warnen regelmäßig davor, Eisflächen ohne offizielle Freigabe zu betreten. Aufgestellte Verbotsschilder an Gewässern sind unbedingt zu beachten. Erst ab einer Eisdicke von etwa 15 Zentimetern gilt eine Fläche als tragfähig.

Zudem sollte Eis niemals alleine betreten werden. Kommt es zu einem Unfall, kann wertvolle Zeit verloren gehen, bis Hilfe verständigt wird und eintrifft. Knacken oder Knirschen des Eises sind eindeutige Warnsignale in diesem Fall sollte die Eisfläche sofort verlassen werden. Am sichersten ist es, sich flach auf den Bauch zu legen, das Gewicht zu verteilen und robbend zum Ufer zurückzukehren.

Selbstrettung: Ruhe bewahren ist entscheidend

Bricht eine Person selbst ins Eis ein, gilt vor allem eines: Ruhe bewahren und überlegt handeln. Das kalte Wasser entzieht dem Körper in kürzester Zeit Wärme, wodurch schnell Bewegungsunfähigkeit droht. Umstehende sollten durch Rufe und Gesten aufmerksam gemacht werden.

Ist das Eis noch einigermaßen stabil, sollte versucht werden, sich flach auf die Eisfläche zu ziehen und in Bauchlage Richtung Ufer zu bewegen. Ist das Eis zu brüchig, kann es mit Fäusten oder Ellbogen vorsichtig in Richtung Ufer weiter aufgebrochen werden. Ist eine Selbstrettung nicht möglich, sollten unnötige Bewegungen vermieden werden, um weiteren Wärmeverlust zu verhindern.

Hilfe leisten ohne sich selbst zu gefährden

Beobachten Passanten, wie eine Person ins Eis einbricht, ist schnelles und umsichtiges Handeln gefragt. Über die Notrufnummer 112 muss sofort Hilfe angefordert werden. Der verunglückten Person sollte signalisiert werden, dass Unterstützung unterwegs ist.

Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte können Hilfsmittel wie Äste, Bretter, Stangen, Seile oder andere schwimmfähige Gegenstände gereicht oder zugeworfen werden. Dabei gilt: niemals direkt die Hand reichen, sondern stets einen Gegenstand, der im Notfall losgelassen werden kann.

Professionelle Rettung an lippischen Gewässern

Kann sich die eingebrochene Person nicht an der Wasseroberfläche halten, ist eine möglichst genaue Positionsangabe für die eintreffenden Rettungskräfte entscheidend. Orientierungspunkte am Ufer können dabei helfen.

Bei Eisunfällen an lippischen Gewässern werden neben Rettungsdienst und Feuerwehr auch speziell ausgerüstete Taucher der Feuerwehr Lemgo alarmiert. Sie sind darauf vorbereitet, brüchige Eisdecken zu betreten und Personen zu retten notfalls auch unter der Eisoberfläche.

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