Wie geht es weiter mit dem vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal? Die Lage bleibt angespannt, eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus stellte am Mittwochabend klar, dass das ursprünglich geplante Rettungskonzept nicht umgesetzt wird. Der Einsatz von Luftkissen, Pontons und Planen zum Abtransport des Tieres komme nicht infrage. „Wir müssen das Konzept überarbeiten“, erklärte der Minister.
Die private Hilfsinitiative, die zunächst grünes Licht für den Rettungsversuch erhalten hatte, arbeitet nun unter Hochdruck an neuen Ansätzen. Maßnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Wals berücksichtigen und eng mit den Behörden abgestimmt werden. Im Zweifel behält sich das Land ein Veto vor.
Unterdessen raten Expertinnen und Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) zu einem zurückhaltenden Vorgehen. Sie empfehlen, das Tier möglichst ruhig und palliativ zu versorgen, statt riskante Rettungsaktionen zu starten. Diese Einschätzung deckt sich laut Backhaus mit einem bereits Anfang April vorgelegten Gutachten, das aktive Eingriffe als wenig erfolgversprechend und potenziell schädlich bewertet.
Für kurze Hoffnung sorgte eine Bewegung des Wals am Montag: Bei steigendem Wasserstand schwamm das Tier vorübergehend los. Helfer versuchten, es in Richtung offene Ostsee zu lenken. Doch nach rund zwei Stunden stoppte der erschöpfte Wal erneut diesmal am Übergang von der Kirchsee in die Wismarbucht.
Inzwischen wurde ein Sender am Tier befestigt, um seine Bewegungen verfolgen zu können. Nach Angaben des Ministers ist der Wal bereits mehrfach gestrandet. Die aktuellen Maßnahmen konzentrieren sich darauf, die Belastung für das Tier zu verringern. Mithilfe von Spültechnik wurde der Untergrund bearbeitet, sodass der Wal nun in einer Mulde liegt. Nasse Tücher schützen ihn zusätzlich vor der Sonne. Nahrungsangebote wurden bislang nicht angenommen.
Trotz Kritik verteidigt Backhaus das Vorgehen. Das Land dulde den Einsatz der privaten Initiative auf Grundlage des Naturschutzrechts, das Hilfe für hilflose Tiere erlaubt. Gleichzeitig betont der Minister: Maßstab allen Handelns sei das Wohl des Tieres. Veterinärteams begleiten den Einsatz rund um die Uhr.
Die Ereignisse sollen künftig auch politisch aufgearbeitet werden. Backhaus kündigte an, sich für bessere bundesweite Strukturen im Umgang mit gestrandeten Großwalen einzusetzen auch mit Blick auf mögliche ähnliche Fälle in der Zukunft.

