Ein Schulgebäude im Wandel der Zeit – Lemgo Radio Nachrichten
Lokales5 Min. Lesezeit

Ein Schulgebäude im Wandel der Zeit

Gunnar Noll

Das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium erzählt seine eigene Geschichte. Seit 1872 prägt es das Stadtbild von Lemgo, steht südlich der Straße Rampendal und trägt Spuren vieler Jahrzehnte in sich.

Das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium erzählt seine eigene Geschichte. Seit 1872 prägt es das Stadtbild von Lemgo, steht südlich der Straße Rampendal und trägt Spuren vieler Jahrzehnte in sich. Der Klassentrakt K wurde 1975 errichtet, errichtet in einer Phase des Aufbruchs, der Zweckmäßigkeit und des Vertrauens in moderne Baustoffe. Der Klassentrakt K steht exemplarisch für diese Epoche und weist heute baubedingte Herausforderungen auf.

Im Zuge von Schadstoffuntersuchungen wurden in Teilen des Gebäudes erhöhte Belastungen durch polychlorierte Biphenyle, kurz PCB, festgestellt. Stoffe, die zur Bauzeit wegen ihrer technischen Vorteile geschätzt wurden, heute jedoch als gesundheitlich problematisch gelten. Vorsorglich hat die Stadt Lemgo die Nutzung der betroffenen Klassenräume eingestellt. Der Unterricht soll übergangsweise in Containern stattfinden.

Denn hoch belastete Fugendichtungsmassen aus der Bauzeit geben PCB an die Raumluft ab. Unter bestimmten Bedingungen, bei hohen Temperaturen und fehlender Lüftung, können die Konzentrationen ansteigen. Messungen aus den Sommermonaten 2024 belegten dies eindrücklich. Zugleich zeigen spätere Untersuchungen im Herbst, dass regelmäßiges Lüften die Belastung deutlich senken kann und in zahlreichen Situationen die geltenden Vorsorgeschwelle nicht überschreitet.

Asbest spielt dabei eine untergeordnete Rolle, zwar fand man in den Farbanstrichen der Fensterbänke gebundene Asbestfasern, doch nach Einschätzung der Gutachter geht davon im normalen Schulbetrieb keine akute Gefahr aus. Dennoch wird empfohlen, diese Bauteile im Zuge einer umfassenden Sanierung vollständig zu ersetzen.

Die Stadtverwaltung folgt damit einem Kurs der Vorsicht. Zwar lässt sich nach fachgutachterlicher Bewertung keine unmittelbare gesundheitliche Gefährdung für Schüler und Lehrkräfte ableiten. Doch die hohen Belastungen einzelner Baustoffe und die Sensibilität der Öffentlichkeit sprechen für ein entschlossenes Vorgehen. Eine Sanierung der belasteten Fugen und der Austausch der Fensterbänke gelten als sinnvoller Schritt, um langfristig Klarheit und Vertrauen zu schaffen.

Das Gutachten zeichnet ein differenziertes Bild: frei von Alarmismus, doch mit der sachlichen Erkenntnis, dass Gebäude die Bedingungen ihrer Entstehungszeit widerspiegeln. Verantwortungsvolles Handeln heute bedeutet, frühere Entscheidungen transparent und sachgerecht zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Lemgo Radio

Jetzt einschalten!