In Zeiten, in denen Politik oft im Takt der Schlagzeilen atmet, setzt die Bundesregierung auf ein Gremium für den langen Atem. Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Kabinett die turnusgemäße Neuberufung des Rates für Nachhaltige Entwicklung bekannt gegeben. Es wird ein 15-köpfiges Beratungsgremium, das künftig die strategische Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie begleiten soll.
Was bislang Strategiepapier war, soll nun greifbarer werden. Aus der bestehenden Nachhaltigkeitsstrategie soll ein bürgernaher Aktionsplan entstehen. Der Nachhaltigkeitsrat berät die Bundesregierung dabei in allen Fragen nachhaltiger Entwicklung und soll das Thema zugleich in Gesellschaft und Öffentlichkeit tragen.
Sechs Frauen und neun Männer vereinen wirtschaftliche, ökologische und soziale Perspektiven. Neu berufen wurden unter anderem Prof. Dr. Stefan Bayer, der Militärökonomie und Klimaschutzökonomie zusammen denkt, Prof. Dr. Fatma Deniz, designierte Präsidentin der TU Berlin und Expertin für Künstliche Intelligenz, sowie Prof. Dr. Gerald H. Haug, Geowissenschaftler und international renommierter Paläoklimatologe. Mit Achim Steiner, dem früheren Leiter des UN-Entwicklungsprogramms, zieht auch globale Erfahrung in das Gremium ein. Auch kommunale Praxis ist vertreten: Thomas Kufen, Oberbürgermeister von Essen, einer Stadt, die 2017 als "Grüne Hauptstadt Europas" Schlagzeilen machte. Ergänzt wird das neue Team durch Persönlichkeiten aus Industrie, Finanzwesen und Unternehmenspraxis, eine bewusst breit gefächerte Aufstellung.
Kontinuität bleibt gewahrt. Erneut berufen wurden unter anderem Tanja Gönner vom Bundesverband der Deutschen Industrie, Reiner Hoffmann, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Prof. Dr. Mark Lawrence vom Helmholtz-Zentrum Potsdam, Prof. Dr. Kai Niebert vom Deutschen Naturschutzring sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Umweltverbänden und Politik. Der Bundeskanzler unterstrich die Bedeutung des Rates für die Zukunft des Landes und bekannte sich ausdrücklich zu den Zielen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sowie zu den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs).
Die Berufung gilt für drei Jahre. Die konstituierende Sitzung des neuen Rates soll zeitnah stattfinden, der Vorsitz wird aus der Mitte des Gremiums gewählt. Es ist der Beginn einer Arbeitsphase, die weniger auf schnelle Effekte zielt als auf strukturelle Wirkung. Nachhaltigkeit, so scheint es, soll nicht länger nur Anspruch sein, sondern politische Praxis.

