„Fenien“: Wenn das Wort Gift bedeutet – LWL erklärt plattdeutsche Sprachschätze – Lemgo Radio Nachrichten
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„Fenien“: Wenn das Wort Gift bedeutet – LWL erklärt plattdeutsche Sprachschätze

Stanley Dost

Das plattdeutsche Wort „Fenien“ steht im Mittelpunkt der aktuellen Reihe „Wort des Monats“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Das plattdeutsche Wort „Fenien“ steht im Mittelpunkt der aktuellen Reihe „Wort des Monats“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Die Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler erklären Herkunft, Bedeutung und vielfältige Verwendung des Begriffs, der im Plattdeutschen schlicht „Gift“ bedeutet – und doch weit mehr ausdrücken kann.

Schon ein alter plattdeutscher Spruch zeigt die Bedeutung im Alltag: „Een, twee is Medzien, drei, veer is Fenien.“ Gemeint ist damit augenzwinkernd das Schnapstrinken: „Ein, zwei ist Medizin, drei, vier ist Gift.“

Ursprung führt bis in die Antike

Wie Dr. Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL, erläutert, reicht die Wortgeschichte weit zurück: „‚Fenien‘ geht auf das lateinische Wort ‚venenum‘ zurück, mit dem ursprünglich der Liebestrank gemeint ist und das zur römischen Liebesgöttin Venus gehört.“ Über das Französische („venin“) und das Niederländische („venijn“) fand der Begriff schließlich seinen Weg ins Plattdeutsche.

Zwischen Bosheit und Energie

Neben der wörtlichen Bedeutung wird „Fenien“ auch übertragen verwendet, etwa um menschliche Eigenschaften zu beschreiben. In Minden-Hahlen heißt es beispielsweise: „Däi Kerl sitt vuller Fenien“, also „der Kerl ist voller Bosheit“. In Dülmen sagt man: „de Augen glaiht öm in’n Kopp von Fenien“ – die Augen glühen ihm vor lauter Bosheit.

Doch das Wort kann ebenso positiv gedeutet werden: „Daor sitt noch wall Fenien achter“ bedeutet, dass jemand noch voller Energie und Tatkraft steckt.

Ein Wort, viele Facetten

Für Denkler zeigt sich darin eine bekannte Weisheit: „Man sieht auch hier: Die Dosis macht das Gift.“ Genau diese Vielschichtigkeit macht „Fenien“ zu einem eindrucksvollen Beispiel für die Ausdruckskraft und den kulturellen Reichtum der plattdeutschen Sprache.

Mit der Reihe „Wort des Monats“ möchte der LWL regelmäßig auf solche sprachlichen Besonderheiten aufmerksam machen und das Bewusstsein für regionale Dialekte stärken.

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