Ein Vorstoß mit Sprengkraft bringt Bewegung in die deutsche Finanzpolitik: Der Präsident des Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hat vorgeschlagen, einen Teil der nationalen Goldreserven zu veräußern. Ziel sei es, dringend benötigte Investitionen anzustoßen und der schwächelnden Wirtschaft neue Impulse zu geben. Nach Einschätzung des Ökonomen lagern in den Tresoren der Deutsche Bundesbank Vermögenswerte in Milliardenhöhe, die bislang kaum aktiv genutzt würden. Während der Investitionsbedarf in Bereichen wie Infrastruktur, Bildung und Energiewende wachse, bleibe dieses Kapital weitgehend unberührt. Fratzscher sieht in einem kontrollierten Teilverkauf eine Möglichkeit, finanzielle Spielräume zu erweitern und gezielt Entlastung zu schaffen. Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und steigender Belastungen für Staat und Bürger sei ein Umdenken erforderlich, so seine Argumentation. Doch der Vorschlag ist umstritten. Experten verweisen auf rechtliche Hürden und politische Sensibilitäten: Die Goldreserven gelten als Symbol wirtschaftlicher Stabilität und unterliegen nicht unmittelbar der Verfügung der Bundesregierung. Ein Eingriff würde tiefgreifende Debatten auslösen. Fest steht: Deutschland verfügt über eine der größten Goldreserven weltweit. Ob dieses stille Vermögen künftig tatsächlich zur Finanzierung staatlicher Aufgaben herangezogen wird, entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Streitfrage der Wirtschaftspolitik.

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Goldschatz im Visier: DIW-Präsident Marcel Fratzscher entfacht Debatte über Milliardenreserven,
MATTHIAS MASNATA
Der Präsident des Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hat vorgeschlagen, einen Teil der nationalen Goldreserven zu veräußern. Ziel sei es, dringend benötigte Investitionen anzustoßen und der schwächelnden Wirtschaft neue Impulse zu geben.
