KI-Boom, aber Qualifizierung hinkt hinterher – Lemgo Radio Nachrichten
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KI-Boom, aber Qualifizierung hinkt hinterher

Isabelle Zimmermann

Immer mehr Unternehmen in Deutschland setzen auf Künstliche Intelligenz, doch bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden besteht weiterhin Nachholbedarf. Eine aktuelle Studie des TÜV-Verband zeigt: Zwar hat sich der Anteil der Firmen mit KI-Schulungen innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt, doch längst nicht alle Betriebe gehen den notwendigen Schritt in Richtung Zukunftskompetenzen.

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) nimmt in deutschen Unternehmen rasant zu, doch die Weiterbildung der Beschäftigten kann mit diesem Tempo nicht Schritt halten. Laut der „TÜV Weiterbildungsstudie 2026“, für die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands 500 Unternehmen befragt hat, haben derzeit 27 Prozent der Betriebe ihre Mitarbeitenden im Umgang mit KI geschult. Noch 2024 lag dieser Anteil bei lediglich 12 Prozent.

Weitere 9 Prozent der Unternehmen planen konkrete Schulungsmaßnahmen, während 17 Prozent aktuell den Bedarf ermitteln. Dennoch bleibt ein großer Teil zurückhaltend: 45 Prozent sehen derzeit keinen Bedarf für entsprechende Weiterbildungen. Besonders deutlich zeigen sich Unterschiede je nach Unternehmensgröße. Während knapp die Hälfte der Großunternehmen bereits KI-Schulungen anbietet, liegt der Anteil bei kleinen Betrieben mit unter 50 Beschäftigten bei nur 21 Prozent.

Gleichzeitig ist der Einsatz von KI-Anwendungen im Arbeitsalltag bereits weit verbreitet. Mehr als die Hälfte der Unternehmen nutzt Tools wie ChatGPT, Gemini oder Microsoft Copilot. Damit klafft eine wachsende Lücke zwischen Nutzung und Qualifizierung.

Auch wenn Weiterbildung insgesamt weiterhin eine hohe Bedeutung hat – 87 Prozent der Unternehmen halten sie für wichtig –, fehlt es häufig an einer klaren Strategie. Nur 29 Prozent verfügen über eine schriftlich festgelegte Weiterbildungsplanung. Gleichzeitig sinkt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Bereitschaft, in Qualifizierungsmaßnahmen zu investieren.

Hinzu kommen begrenzte Ressourcen: Die Mehrheit der Unternehmen stellt jährlich lediglich drei bis fünf Weiterbildungstage zur Verfügung, und fast ein Drittel investiert weniger als 500 Euro pro Mitarbeitendem.

Der TÜV-Verband sieht daher dringenden Handlungsbedarf, sowohl bei Unternehmen als auch in der Politik. Neben einer stärkeren strategischen Verankerung von Weiterbildung fordert der Verband bessere Förderbedingungen, weniger Bürokratie und modernisierte gesetzliche Rahmenbedingungen. Ziel müsse es sein, den Kompetenzaufbau in Bereichen wie KI, Digitalisierung und Cybersicherheit deutlich zu beschleunigen.

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