Beim Thema Wohnungsbau will Lemgo künftig Tempo machen. Wie aus einem Bericht der Lippischen Landeszeitung hervorgeht, setzt die Stadt auf die Möglichkeiten des sogenannten „Bauturbos“, um Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und Bauprojekte schneller voranzubringen – allerdings mit klar definierten Grenzen und einer späteren Überprüfung.
Der Stadtrat hat beschlossen, die bis Ende 2030 befristete Regelung des Wohnungsbau-Beschleunigungsgesetzes umzusetzen. Ziel ist es, vor allem größere Vorhaben zügiger auf den Weg zu bringen, die bislang häufig aufwendige Bebauungsplanverfahren durchlaufen mussten. Nach Angaben von Stadtplanungsleiterin Berit Weber geht es dabei ausdrücklich nicht um einzelne Häuser in Baulücken, sondern um Projekte mit größerem Umfang.
Festgelegte Grenzen für beschleunigte Verfahren
Künftig sollen im Einfamilienhaus-Bereich Projekte mit einer Bruttobaulandfläche von bis zu 5000 Quadratmetern beschleunigt entschieden werden können. Für Mehrfamilienhäuser liegt die Grenze bei 2500 Quadratmetern. Gleichzeitig betont die Stadt, dass Vorhaben mit möglichem Konfliktpotenzial weiterhin politisch beraten werden sollen – auch wenn sie unterhalb der Schwellenwerte liegen.
Zudem ist eine Überprüfung vorgesehen: Bis Sommer 2027 will die Stadt evaluieren, welche Auswirkungen die neue Regelung hat. Dabei könnten auch die festgelegten Flächengrenzen erneut diskutiert werden.
Politische Diskussion über die richtige Größe
Im Vorfeld hatte es unterschiedliche Auffassungen über die Höhe der Limits gegeben. Vertreter der Grünen plädierten für niedrigere Schwellenwerte, während CDU-Politiker den Vorschlag der Verwaltung als ausgewogen bezeichneten und vor zu starken Einschränkungen warnten. Auch aus SPD und FDP kamen positive Signale, die Regelung wurde schließlich einstimmig beschlossen.
Einordnung anhand konkreter Flächen
Zur Orientierung wurden verschiedene Beispiele genannt: Eine mögliche Bebauung des Jahn-Sportplatzes würde mit rund 7100 Quadratmetern über der Grenze liegen, während kleinere Projekte wie ein Vorhaben in zweiter Reihe der Schuhstraße ohne Bebauungsplan möglich wären. Andere Flächen wie Laubke oder Pöstenweg lägen ebenfalls oberhalb der Schwellenwerte.
Bürgermeister Markus Baier stellte laut Bericht zudem klar, dass bei Projekten, bei denen die Stadt selbst die Erschließung übernimmt, weiterhin eine politische Beratung vorgesehen ist.
Mit dem „Bauturbo“ will Lemgo den Wohnungsbau beschleunigen, ohne die politische Kontrolle aus der Hand zu geben. Ob dieser Balanceakt gelingt, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen.

