Mit klaren Botschaften, deutlichen Forderungen und viel Applaus ist der Empfang der lippischen Wirtschaft 2026 in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold über die Bühne gegangen. Ehrengast des Abends war Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst, der mit seiner Aussage „Lippe ist ein wirtschaftliches Kraftzentrum“ den Nerv des Publikums traf.
Selbstbewusste Region mit klarer Haltung
IHK-Präsident Volker Steinbach begrüßte den Landesvater mit einem augenzwinkernden Verweis auf das Landeswappen: „Willkommen im dritten Teil des Landeswappens, da, wo die Wirtschaft so tief verwurzelt ist wie die Rose.“ Dabei zeichnete er das Bild einer bodenständigen, generationenorientierten Unternehmerschaft.
„Wir sind nicht sprunghaft, wir jammern nicht, sondern krempeln die Ärmel hoch“, betonte Steinbach. Die Unternehmen seien das Rückgrat der Region – „das Dach, unter dem gearbeitet, ausgebildet und Steuer gezahlt wird“. Besonders emotional sei das Thema Unternehmens- und Erbschaftssteuer: Wenn Betriebe an die nächste Generation übergeben würden, gehe es um Verantwortung, Schulden und schlaflose Nächte.
Mit Blick auf die Landespolitik forderte Steinbach mehr Tempo bei Infrastrukturprojekten, den Abbau bürokratischer Hürden und Reformen „die ihren Namen verdienen“. Vor allem brauche es klare Signale – auch für die entlegensten Winkel Lippes.
Wüst: Vertrauen schaffen und Chancen nutzen
Hendrik Wüst griff die Erwartungen auf und fand deutliche Worte: „Der Staat darf sich nicht wundern, wenn Menschen kein Vertrauen mehr haben, wenn er ihnen selbst nicht vertraut.“ Aufgabe der Politik sei es, Probleme zu lösen und Chancen zu ermöglichen.
Der Ministerpräsident räumte ein, dass zentrale Herausforderungen noch nicht zufriedenstellend bewältigt seien. Zweifel an einer bezahlbaren und sicheren Energieversorgung dürften nicht aufkommen. Zudem müssten ausländische Direktinvestitionen gesteigert und Straßen wie Schienennetze dringend modernisiert werden. „Jetzt ist der Westen dran“, versprach der frühere Verkehrsminister mit Blick auf notwendige Investitionen in die Infrastruktur.
Doch Wüst blieb nicht bei Problembeschreibungen stehen. Nordrhein-Westfalen und insbesondere Lippe böten großes Potenzial. Gute Rahmenbedingungen könnten internationale Fachkräfte und Forschende anziehen. „Wir müssen die Besten sein, um unseren Wohlstand zu erhalten.“ Die zahlreichen Start-ups und Studierenden in der Region zeigten: „Die Leute hier haben Bock.“
Bildung als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit
Auch Svenja Jochens, Hauptgeschäftsführerin der IHK Lippe, knüpfte an das Bild des „gegenseitigen Unterhakens“ an. Politik, Wirtschaft und Bildung müssten enger zusammenarbeiten, um jungen Menschen Perspektiven zu bieten und Innovationskraft zu sichern.
Die Qualität des Bildungssystems sei entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit – und hier gebe es Verbesserungsbedarf. Dies sei keine Kritik an der Jugend, sondern ein strukturelles Signal, so Jochens. Sie überreichte dem Ministerpräsidenten eine Liste mit konkreten Vorschlägen: eine stärkere Verzahnung von Schule und Wirtschaft, gezielte Sprachförderung sowie die Weiterentwicklung der Berufskollegs zu modernen Kompetenzzentren.
Mit Nachdruck warb sie für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung: „Der Meister ist genauso viel wert wie der Master.“
Signal der Geschlossenheit
Der Empfang machte deutlich: Die lippische Wirtschaft versteht sich als stabiler Anker im Land – selbstbewusst, innovationsbereit und generationsübergreifend denkend.
Mit klaren Forderungen an die Politik und ebenso klaren Zusagen zur eigenen Verantwortung setzte der Abend ein Signal der Geschlossenheit. Oder, wie Hendrik Wüst es formulierte: „Wenn alle etwas mitbringen, dann bewegt sich auch was.“

