Laura Glawion lebt mit ihrer Tochter in einer 54 Quadratmeter großen Wohnung in Bielefeld. Ende Oktober erhielt sie Post von ihrem Vermieter, dem Wohnungsunternehmen LEG. Inhalt: eine Mieterhöhung. Für Glawion ein Schock, denn ihre bisherige Miete von 449 Euro liegt bereits über dem im Mietspiegel vorgesehenen Höchstwert von 411,73 Euro. Ab Januar sollte sie rund 25 Euro mehr zahlen.
Zur Begründung führte das Unternehmen drei deutlich teurere Vergleichswohnungen aus dem eigenen Bestand an. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass bei einer Ablehnung eine Zustimmungsklage möglich sei. Glawion ließ sich rechtlich beraten und widersprach eine Klage folgte bislang nicht.
Nach Angaben des Mieterbundes ist ihr Fall kein Einzelfall. Beschwerden aus insgesamt elf Städten in Nordrhein-Westfalen, darunter Bielefeld, Köln, Düsseldorf und Münster, wurden gemeldet. Kritisiert wird insbesondere die Praxis, teure Vergleichswohnungen heranzuziehen, die teils mehr als 20 Prozent über dem jeweiligen Mietspiegel liegen.
Zusätzlich sollen Mieter vereinzelt Angebote für „freiwillige“ Mieterhöhungen erhalten haben. Dabei stellt das Unternehmen in Aussicht, auf eine noch höhere mögliche Erhöhung zu verzichten eine, die in mehreren Fällen über der gesetzlich zulässigen Kappungsgrenze gelegen hätte.
Das Unternehmen verteidigt sein Vorgehen und verweist auf gesetzliche Grundlagen im Bürgerlichen Gesetzbuch, die eine Berechnung der ortsüblichen Vergleichsmiete auch anhand von Vergleichswohnungen erlauben. Die angeführten Werte seien valide und geprüft.
Ein Insider schildert hingegen, dass solche Schreiben gezielt eingesetzt worden seien, um wirtschaftliche Erwartungen zu erfüllen. Demnach hätten angedrohte Klagen häufig nur als Druckmittel gedient, obwohl ihre Erfolgsaussichten als gering eingeschätzt worden seien. Das Unternehmen weist diese Vorwürfe zurück.
Der Mieterbund warnt dennoch davor, vorschnell zuzustimmen. Denn einmal akzeptierte Mieterhöhungen seien im Nachhinein schwer anzufechten. Zudem könnten solche Praktiken langfristig den Mietspiegel beeinflussen und zu steigenden Mieten für viele führen.

