Nach der Veröffentlichung einer umfangreichen Missbrauchsstudie hat der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz die Betroffenen um Entschuldigung gebeten. Auf einer Pressekonferenz erklärte er, ihm sei bewusst, dass eine Entschuldigung das erlittene Leid nicht ungeschehen machen könne. Gleichzeitig rief Bentz weitere Betroffene dazu auf, sich zu melden. Hinweise würden konsequent verfolgt, zudem wolle das Bistum Betroffene unterstützen und begleiten.
Auch der Sprecher der Betroffenenvertretung im Erzbistum, Reinhold Harnisch, äußerte sich bei der Pressekonferenz. Er berichtete, dass sich bereits kurz nach Veröffentlichung der Studie zwei weitere Betroffene gemeldet hätten. Die Veröffentlichung habe ihnen offenbar den Mut gegeben, aus dem sogenannten „Dunkelfeld“ herauszutreten. Harnisch betonte, dass die Aufarbeitung mit der Studie noch lange nicht abgeschlossen sei. Es gebe weiterhin viel zu tun.
Die neue Untersuchung der Universität Paderborn zeigt ein deutlich größeres Ausmaß sexualisierter Gewalt als bisher bekannt. Forschende fanden Hinweise darauf, dass sich zwischen 1941 und 2002 insgesamt 210 Geistliche an Kindern und Jugendlichen vergangen haben könnten. Mindestens 489 Betroffene konnten in der Studie identifiziert werden. Experten gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Opfer noch höher sein könnte.
Ein zweiter Teil der Studie ist bereits geplant. Dieser soll die Zeit der Amtsführung von Hans-Josef Becker als Erzbischof von 2003 bis 2023 untersuchen und im kommenden Jahr veröffentlicht werden. Fälle aus diesem Zeitraum könnten teilweise noch strafrechtlich verfolgt werden.

