Deutschland rückt zunehmend in den Mittelpunkt möglicher Fluchtbewegungen aus dem Iran. Eine aktuelle Untersuchung des Forschungsinstituts Rockwool Foundation Berlin kommt zu dem Ergebnis, dass viele Iranerinnen und Iraner die Bundesrepublik als bevorzugtes Zielland betrachten könnten, sollte sich die politische und wirtschaftliche Lage weiter zuspitzen. Auslöser dieser Einschätzung sind die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten sowie die schwierige innenpolitische Situation im Iran. Beobachter gehen davon aus, dass bereits Millionen Menschen innerhalb des Landes gezwungen waren, ihre Heimatregionen zu verlassen. Sollte sich daraus eine größere internationale Fluchtbewegung entwickeln, erwarten Experten, dass ein erheblicher Teil der Betroffenen Europa ansteuert – mit Deutschland als einem der wichtigsten Ziele. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in den bestehenden sozialen Strukturen. Viele Iraner haben bereits Verwandte oder Bekannte in Deutschland. Solche Netzwerke erleichtern Neuankömmlingen den Start im Ausland und spielen bei der Wahl des Ziellandes eine entscheidende Rolle. Der Ökonom Christian Dustmann, Mitautor der Studie, betont, dass Migration häufig entlang solcher familiären und sozialen Verbindungen verläuft. Auch Daten des Meinungsforschungsinstituts Gallup aus dem Jahr 2024 weisen in diese Richtung. In einer Umfrage gaben rund 28 Prozent der befragten Iranerinnen und Iraner, die über eine Auswanderung nachdenken, Deutschland als wahrscheinlichstes Ziel an. Weitere häufig genannte Länder waren Kanada, die Türkei sowie Großbritannien und Frankreich. Gleichzeitig mahnen Fachleute zur Vorsicht bei der Interpretation der Zahlen. Politische Entwicklungen, Grenzregelungen und die Situation entlang möglicher Fluchtrouten könnten entscheidend beeinflussen, ob und wie viele Menschen tatsächlich Europa erreichen. Fest steht jedoch: Sollte sich die Lage im Iran weiter verschärfen, könnte Deutschland erneut zu einem zentralen Anlaufpunkt für Schutzsuchende werden.

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Neue Studie: Deutschland könnte Hauptziel für Geflüchtete aus dem Iran werden
MATTHIAS MASNATA
Deutschland rückt zunehmend in den Mittelpunkt möglicher Fluchtbewegungen aus dem Iran. Eine aktuelle Untersuchung des Forschungsinstituts Rockwool Foundation Berlin kommt zu dem Ergebnis, dass viele Iranerinnen und Iraner die Bundesrepublik als bevorzugtes Zielland betrachten könnten, sollte sich die politische und wirtschaftliche Lage weiter zuspitzen.
