Ausgangspunkt der Initiative sind aktuelle Schuleingangsuntersuchungen: Rund ein Drittel der Kinder verfügt laut Schulministerin Dorothee Feller nicht über ausreichende Deutschkenntnisse, um dem Unterricht problemlos folgen zu können. Diese Kinder sollen künftig frühzeitig intensiver gefördert werden.
Geplant ist, die Anmeldung zur Grundschule um etwa ein halbes Jahr vorzuziehen. Bereits im Frühjahr vor der Einschulung wird dann überprüft, ob sprachlicher Förderbedarf besteht. Ist das der Fall, müssen die betroffenen Kinder verpflichtend an den ABC-Klassen teilnehmen. Diese finden zweimal pro Woche für jeweils zwei Stunden statt und werden von Grundschulen organisiert.
Die Einführung des Modells ist für das Schuljahr 2028/2029 vorgesehen. Ziel sei es, gleiche Startbedingungen für alle Kinder zu schaffen, betonte Ministerpräsident Hendrik Wüst. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse hätten viele Kinder von Beginn an schlechtere Bildungschancen.
Zusätzlich plant die Landesregierung eine Ausweitung der Schuleingangsphase für Kinder mit besonderem Förderbedarf. Im Rahmen des Programms „ABC Plus“ soll diese Phase von zwei auf bis zu drei Jahre verlängert werden können. Die Entscheidung darüber sollen die Schulen bereits vor dem ersten Schultag individuell treffen.
Kritik kommt aus der Opposition. Jochen Ott begrüßt zwar grundsätzlich den Ansatz, bemängelt jedoch die starke Fokussierung auf Sprachförderung. Seiner Ansicht nach werde der allgemeine Entwicklungsstand der Kinder zu wenig berücksichtigt. Zudem spricht er sich dafür aus, die Förderung stärker in den Kitas anzusiedeln statt in separaten Angeboten.
Auch aus Sicht der Lehrkräfte gibt es Bedenken. Die Gewerkschaft VBE warnt vor zusätzlichen Belastungen und fordert mehr Personal. Schon jetzt fehle es an vielen Grundschulen an ausreichend Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften.
Die Landesregierung hat angekündigt, die Kommunen finanziell zu unterstützen. Neben zusätzlichem Personal werden auch neue Räume sowie Transportmöglichkeiten für die Kinder benötigt. Ziel bleibt es, allen Kindern einen besseren Start in ihre Schullaufbahn zu ermöglichen.

