Halbzeit bei der 76. Ausgabe der Internationale Filmfestspiele Berlin und das Rennen um die begehrten Bären bleibt spannend. 22 Filme konkurrieren im Wettbewerb, darunter drei deutsche Produktionen. Kritiker sprechen von einem außergewöhnlich starken Jahrgang, berichten Medien.
Als frühe Favoritin gilt einmal mehr Sandra Hüller. Ihre Darstellung in „Rose“ beeindruckt Publikum und Fachwelt gleichermaßen. Der in Schwarz-Weiß gehaltene Film erzählt von einer Frau im Dreißigjährigen Krieg, die sich als Mann ausgibt, um Land besitzen zu dürfen. Offiziell geht „Rose“ für Österreich ins Rennen, ist jedoch eine deutsche Koproduktion.
Deutscher Wettbewerb zwischen Lob und Debatte
Von den deutschen Beiträgen sorgte vor allem „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak für Aufmerksamkeit. Nach seiner Oscar-Nominierung für „Das Lehrerzimmer“ zählt Çatak zu den prägenden Stimmen des deutschen Kinos. Sein neuer Film, der politische Zensur und persönliche Krisen thematisiert, wurde zwar in Deutschland gedreht, spielt jedoch in der Türkei eine Entscheidung mit künstlerischen wie produktionstechnischen Gründen.
Auch Angela Schanelec ist mit „Meine Frau weint“ im Wettbewerb vertreten ein sensibles Beziehungsdrama, das auf leise Zwischentöne setzt. Der dritte deutsche Beitrag, „Etwas ganz Besonderes“ von Eva Trobisch, steht noch zur Bewertung durch Presse und Publikum an.
Branche unter Druck Hoffnung durch neue Förderung
Neben der künstlerischen Qualität prägt auch die wirtschaftliche Lage die Diskussion. Steigende Produktionskosten und die Dominanz internationaler Streamingdienste belasten die Branche. Die Bundesregierung hat deshalb eine Investitionspflicht für Plattformen beschlossen und will jährlich 250 Millionen Euro in Filmproduktionen investieren.
Festivalleiterin Tricia Tuttle setzt derweil auf politisches Autorenkino und internationale Koproduktionen. Insgesamt laufen 56 vorrangig deutsche Filme im Programm, 70 mit deutscher Beteiligung.
Ob am Ende ein deutscher Film oder gar Sandra Hüller einen Bären gewinnt, ist offen. Sicher ist nur: Die diesjährige Berlinale zeigt ein selbstbewusstes, vielfältiges Kino und lässt Raum für Überraschungen.

