Rekord bei gefährlichen Produkten in der EU – Spielzeug besonders häufig betroffen – Lemgo Radio Nachrichten
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Rekord bei gefährlichen Produkten in der EU – Spielzeug besonders häufig betroffen

Stanley Dost

Die Zahl der Warnmeldungen zu gefährlichen Produkten im europäischen Binnenmarkt hat einen neuen Höchststand erreicht. Wie aus dem Safety Gate Report 2025 der EU-Kommission hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr 4.

Die Zahl der Warnmeldungen zu gefährlichen Produkten im europäischen Binnenmarkt hat einen neuen Höchststand erreicht. Wie aus dem Safety Gate Report 2025 der EU-Kommission hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr 4.671 Warnmeldungen im europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Non-Food-Produkte registriert. Das entspricht einem Anstieg um 13 Prozent gegenüber 2024 mit 4.137 Meldungen.

Das sogenannte Safety Gate dient europäischen Behörden dazu, unsichere Produkte schnell zu melden und Schutzmaßnahmen zu koordinieren. Insgesamt wurden im Zusammenhang mit den Warnmeldungen 5.794 Folgemaßnahmen ergriffen, darunter das Entfernen von Online-Angeboten, Marktrücknahmen oder Rückrufe.

Der TÜV-Verband zeigt sich angesichts der Entwicklung besorgt. „Das Rekordniveau bei den Warnmeldungen ist alarmierend, denn hinter jeder Warnmeldung steht ein Produkt, das nicht in die Hände von Verbraucherinnen und Verbrauchern gehört“, erklärte Johannes Kröhnert, Leiter des Brüsseler Büros des TÜV-Verbands. Gleichzeitig sei davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl gefährlicher Produkte deutlich höher liege, da das System nur entdeckte Fälle erfasse.

Kosmetika und Spielzeug besonders häufig betroffen

Am häufigsten betrafen die Warnmeldungen Kosmetikprodukte, die rund 36 Prozent aller Fälle ausmachten. Spielzeug folgte mit 16 Prozent auf Platz zwei. Dahinter lagen elektrische Geräte und Ausrüstung mit etwa 11 Prozent.

Als Hauptursache für die Warnungen wurden gefährliche Chemikalien genannt, die für mehr als die Hälfte der Fälle verantwortlich waren. Weitere häufige Risiken waren Verletzungsgefahren sowie Erstickungsrisiken, etwa durch verschluckbare Kleinteile bei Spielzeug.

Gerade bei Produkten für Kinder seien die Anforderungen besonders hoch. Kinder nähmen Spielzeuge häufig in den Mund oder spielten unbeaufsichtigt, wodurch sich Risiken schnell zu ernsten Gefahren entwickeln könnten. Eltern dürften daher erwarten, dass Produkte im europäischen Handel strenge Sicherheitsstandards erfüllen, so der TÜV-Verband.

Online-Plattformen im Fokus der Kritik

Ein wachsendes Problem sieht der Verband im Vertrieb über internationale Online-Marktplätze. Dort könnten Anbieter Sicherheitsvorschriften der EU leichter umgehen, während Verbraucherinnen und Verbraucher am Bildschirm kaum erkennen könnten, ob ein Produkt tatsächlich sicher sei.

In der Europäischen Union gelten einheitliche Vorschriften für Verbraucherprodukte. Hersteller und Importeure müssen etwa mit der CE-Kennzeichnung erklären, dass ihre Produkte den EU-Anforderungen entsprechen. Allerdings basiert diese Kennzeichnung meist auf einer Herstellerselbsterklärung, ohne verpflichtende unabhängige Prüfung.

Nach Ansicht des TÜV-Verbands reichen die bestehenden Kontrollen deshalb nicht aus. Gefährliche Produkte würden oft nur zufällig entdeckt. Der Verband fordert daher eine stärkere und besser koordinierte Marktüberwachung in der EU, mehr Kontrollen sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Marktüberwachungsbehörden und Zoll – insbesondere bei Importen über Online-Plattformen.

Der vollständige Safety Gate Report 2025 der EU-Kommission ist online abrufbar.

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