Ein Schlaganfall kommt oft ohne Vorwarnung und stellt das Leben von Betroffenen und Angehörigen von einem Moment auf den anderen auf den Kopf. Um genau in dieser Ausnahmesituation Halt zu geben, stärkt der Kreis Lippe jetzt sein Engagement: Landrat Meinolf Haase übernimmt offiziell die Patenschaft für die Schlaganfall-Lotsinnen im Kreis.
Das Projekt „LEX LOTSEN OWL“ wurde von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe initiiert und gemeinsam mit allen Kreisen in Ostwestfalen-Lippe, der Stadt Bielefeld sowie den regionalen Kliniken auf den Weg gebracht. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall strukturiert zu begleiten von der Klinik über die Rehabilitation bis in den Alltag.
„Ein Schlaganfall trifft Menschen meist völlig unerwartet und bringt viele Fragen und Unsicherheiten mit sich. Die Schlaganfall-Lotsinnen leisten hier eine unschätzbare Arbeit“, betont Haase. Die Übernahme der Patenschaft sei für ihn daher ein persönliches Anliegen.
Modellprojekt mit Signalwirkung
Gefördert aus dem Innovationsfonds, soll das Projekt zeigen, wie Patientenlotsen optimal organisiert werden können. „Wir möchten belegen, dass strukturierte Lotsenmodelle die Versorgung nachhaltig verbessern“, erklärt Dr. Michael Brinkmeier von der Stiftung. Langfristig sollen die Erkenntnisse aus Ostwestfalen-Lippe bundesweit Schule machen.
Auch das Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL (ZIG OWL) begleitet das Vorhaben eng. „Wenn medizinische, therapeutische und soziale Angebote gut vernetzt sind, profitieren die Patientinnen und Patienten unmittelbar“, sagt Uwe Borchers. Die Patenschaft des Landrats sorgt nun für zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit.
Begleitung über zwölf Monate
Im Klinikum Lippe begleiten die Lotsinnen Betroffene bis zu ein Jahr nach dem Schlaganfall. Am Standort Lemgo mit seiner spezialisierten Stroke Unit sind Birgit Gilke, Meike Finkler und Carola Riesenberg im Einsatz. Seit Projektstart im Mai 2024 betreuen sie rund 60 Patientinnen und Patienten gleichzeitig.
Ihre Aufgabe geht weit über medizinische Informationen hinaus: Sie erklären Befunde verständlich, klären über Risikofaktoren auf, helfen bei Anträgen, koordinieren Therapien und sind Ansprechpartnerinnen in einer Phase, die viele als überfordernd erleben.
„Viele fühlen sich nach der Entlassung zunächst allein gelassen. Wir helfen, den Überblick zu behalten – und sind oft einfach da, um zuzuhören“, schildert Meike Finkler ihren Alltag. Kollegin Birgit Gilke ergänzt: „Sicherheit entsteht, wenn man weiß, an wen man sich wenden kann.“
Stabile Strukturen für die Region
Unterstützt werden die Lotsinnen durch das regionale Lotsenbüro im Gesundheitszentrum des Kreises Lippe in Oerlinghausen. Dort laufen Organisation, Netzwerkarbeit und Qualitätssicherung zusammen. Sabine Beine vom Kreis Lippe betont: „So entsteht eine stabile Versorgungsstruktur, die Klinik, Therapieeinrichtungen und Beratungsstellen eng verzahnt.“
Mit der offiziellen Patenschaft setzt der Kreis Lippe ein klares Signal: Nachsorge ist mehr als ein medizinischer Prozess sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Und für viele Betroffene ein entscheidender Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
