Ein mutmaßlicher Brandstifter, gerade einmal 13 Jahre alt, sorgt aktuell in Solingen für Aufsehen und bringt eine alte Debatte zurück auf die politische Agenda: Sollte die Strafmündigkeit in Deutschland von 14 auf 12 Jahre gesenkt werden?
Der Fall ist kein Einzelfall. Immer wieder geraten Kinder unter 14 ins Visier der Ermittler, ohne strafrechtlich belangt werden zu können. Für den Wuppertaler Anwalt Carsten Rebber ist klar: Gerade bei Intensivtätern müsse der Staat früher eingreifen. Es gebe Kinder, die bereits dutzende Delikte begangen hätten und kaum noch erreichbar seien.
Befürworter einer Absenkung verweisen zudem auf schwere Gewalttaten der vergangenen Jahre etwa in Freudenberg, Paderborn und Dormagen bei denen die Täter ebenfalls unter 14 Jahre alt waren.
Doch es gibt auch deutlichen Widerstand. Die langjährige Sozialarbeiterin Bärbel Hoffmann warnt davor, Kinder zu früh strafrechtlich zu behandeln. Sie setzt auf Prävention und intensive Hilfsangebote für Familien. Unterstützung erhält sie von NRW-Justizminister Benjamin Limbach, der betont: Kinder gehörten nicht vor Gericht, sondern bräuchten gezielte erzieherische Maßnahmen.
Auch Innenminister Herbert Reul äußert sich differenziert. Angesichts schwerer Straftaten junger Täter dürfe es keine Denkverbote geben gleichzeitig gehe es nicht darum, Kinder wie Erwachsene zu bestrafen.
Die Fronten bleiben verhärtet: Während die einen härtere Konsequenzen fordern, setzen die anderen auf Prävention und Jugendhilfe. Eine Entscheidung in der Frage der Strafmündigkeit ist derzeit nicht in Sicht.

