„Stress als Statussymbol“: Warum Stress-Bragging im Job nach hinten losgeht – Lemgo Radio Nachrichten
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„Stress als Statussymbol“: Warum Stress-Bragging im Job nach hinten losgeht

Florian Jäger

Was als Zeichen von Leistung gedacht ist, kann im Arbeitsalltag schnell zum sozialen Bumerang werden.

Sätze wie „Ich habe schon wieder so viel zu tun“ oder „Ich komme vor lauter Calls zu nichts“ gehören in vielen Arbeitsumfeldern inzwischen fast zum Alltag. Dieses Verhalten wird in der Arbeitspsychologie als sogenanntes „Stress-Bragging“ bezeichnet also das demonstrative Hervorheben der eigenen Arbeitsbelastung.

Was zunächst wie ein Versuch wirkt, Anerkennung oder Verständnis zu bekommen, kann jedoch genau das Gegenteil bewirken. Der Arbeitspsychologe Hannes Zacher erklärt unter Bezug auf aktuelle Forschung, dass dieses Verhalten häufig negativ wahrgenommen wird. Kolleginnen und Kollegen reagieren demnach oft mit Distanz, da übermäßiges Stressbetonen eher als Zeichen von Überforderung denn von Leistungsfähigkeit interpretiert wird.

Eine Studie aus dem Jahr 2024, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Personnel Psychology, bestätigt diesen Effekt. Personen, die ihren Stress regelmäßig offen betonen, werden im Arbeitsumfeld tendenziell als weniger kompetent und weniger sympathisch eingeschätzt. Dadurch sinkt nicht nur die persönliche Anerkennung, sondern auch die Bereitschaft anderer, Unterstützung im Arbeitsalltag zu leisten.

Doch die Folgen gehen über das Individuum hinaus: Auch Teams können unter Stress-Bragging leiden. Laut Studie fühlen sich Mitarbeitende, die regelmäßig mit solchen Aussagen konfrontiert werden, selbst stärker belastet. Der vermeintliche Versuch, Druck sichtbar zu machen, kann somit das gesamte Arbeitsklima verschlechtern.

Das Fazit der Forschung ist eindeutig: Wer ständig seinen Stress betont, riskiert nicht mehr Anerkennung sondern eher das Gegenteil.

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