Bei der Landtagswahl in Baden‑Württemberg haben CDU und Bündnis 90/Die Grünen ein seltenes politisches Patt erzielt: Beide Parteien kommen auf 56 Sitze im neuen Parlament. Trotz eines minimalen Vorsprungs bei den Zweitstimmen für die Grünen zeigt sich nun ein Kopf‑an‑Kopf-Rennen, das die politische Landschaft des Südwestens elektrisiert.
Der Grund für die Gleichheit liegt in einem knappen Stimmenverhältnis – die Grünen erreichten etwa 30,2 %, die CDU 29,7 % – kombiniert mit Überhang‑ und Ausgleichsmandaten. Diese Mechanismen führten dazu, dass die beiden größten Fraktionen trotz des leichten Stimmenvorsprungs der Grünen gleich stark vertreten sind.
Die übrigen Kräfte im Landtag rangieren weiter dahinter: AfD mit 35 Mandaten, SPD mit historisch schwachen zehn Sitzen. FDP und Linke scheiterten an der Fünf‑Prozent‑Hürde. Politisch öffnet sich damit ein spannendes Szenario: Zwar gelten die Grünen als formell stärkste Kraft, doch für eine stabile Mehrheit müssen Koalitionsoptionen geprüft werden. Die CDU könnte sowohl als gleichberechtigter Partner als auch als konstruktive Opposition eine entscheidende Rolle übernehmen. Politikwissenschaftler sprechen von einer „demokratischen Zitterpartie“, die den Landtag in Stuttgart in unvorhersehbare Fahrwasser führt.

