Teilzeit ja oder nein? So sichern sich Beschäftigte ihren Anspruch und planen klug – Lemgo Radio Nachrichten
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Teilzeit ja oder nein? So sichern sich Beschäftigte ihren Anspruch und planen klug

Florian Jäger

Immer mehr Berufstätige möchten ihre Arbeitszeit reduzieren eine YouGov-Umfrage unter über 3. 700 Beschäftigten zeigt: 53 Prozent würden gerne Teilzeit arbeiten, wenn das Angebot bestünde.

Immer mehr Berufstätige möchten ihre Arbeitszeit reduzieren eine YouGov-Umfrage unter über 3.700 Beschäftigten zeigt: 53 Prozent würden gerne Teilzeit arbeiten, wenn das Angebot bestünde. Gleichzeitig diskutiert der CDU-Wirtschaftsflügel über eine Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit, was auf Kritik stößt.

Anspruch auf Teilzeit

Ob Arbeitnehmer einen Anspruch auf Teilzeit haben, hängt von der Unternehmensgröße ab. In Betrieben mit bis zu 15 Mitarbeitenden ist es oft Verhandlungssache. Ab 16 Beschäftigten besteht ein gesetzlicher Anspruch – vorausgesetzt, der Arbeitnehmer ist seit mindestens sechs Monaten im Unternehmen.

Für eine befristete Arbeitszeitverkürzung gibt es die Brückenteilzeit: Sie gilt für ein bis fünf Jahre. In großen Unternehmen ab 200 Beschäftigten greift der Anspruch uneingeschränkt. In mittleren Betrieben mit 46 bis 200 Mitarbeitenden gilt eine Quote: Pro 15 Beschäftigte darf nur ein Antrag bewilligt werden.

Auch während der Elternzeit kann Teilzeit beantragt werden, unter ähnlichen Voraussetzungen wie die unbefristete Variante.

Antrag und Ablehnung

Der Antrag muss schriftlich oder per E-Mail mindestens drei Monate im Voraus gestellt werden. Arbeitgeber müssen über den Wunsch sprechen und eine Lösung suchen. Ablehnen dürfen sie nur bei schwerwiegenden betrieblichen Gründen, die sie nachvollziehbar darlegen müssen. Reagiert der Arbeitgeber nicht innerhalb eines Monats, gilt der Antrag automatisch als genehmigt.

Rückkehr zur Vollzeit

Nach Ablauf von Brücken- oder Elternteilzeit kehren Beschäftigte automatisch zur vorherigen Stundenzahl zurück. Eine unbefristete Teilzeitstelle wieder aufzustocken, ist dagegen rechtlich schwer durchzusetzen.

Finanzielle und familiäre Überlegungen

Karriere-Coach Bernd Slaghuis rät, finanzielle Einbußen und Auswirkungen auf Rente und Arbeitslosengeld vorher zu kalkulieren. Auch die Karriereperspektiven sollten geprüft werden – Teilzeit kann in manchen Unternehmen die Aufstiegschancen beeinträchtigen.

Zudem ist ein Gespräch mit Partner und Familie wichtig: Wie wirken sich weniger Einkommen und mehr freie Zeit auf das gemeinsame Leben aus? Sind Pläne für Hobbys, Weiterbildung oder Nebentätigkeiten realistisch?

Kommunikation mit dem Arbeitgeber

Vor dem Antrag sollte das Gespräch mit dem Vorgesetzten erfolgen. Wichtig: Motiviert, lösungsorientiert und sachlich argumentieren. Wer abgelehnt wird, kann nach Alternativen fragen oder überlegen, ob ein Wechsel zu einem flexibleren Unternehmen sinnvoll ist.

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