Leere Lager, hohe Nachfrage und eingeschränkter Winterdienst: In den vergangenen Wochen ist Streusalz bundesweit knapp geworden, berichtet unter anderem die Neue Westfälische. Auch in Ostwestfalen-Lippe (OWL) mussten Kommunen Prioritäten setzen. In Bad Oeynhausen und Städten im Kreis Höxter wurde der Winterdienst zeitweise eingeschränkt, im Kreis Herford sollten die Vorräte zwischenzeitlich nur noch wenige Tage reichen.
Damit solche Engpässe künftig vermieden werden, arbeitet das Fraunhofer-Institut in Lemgo an einer intelligenten Lösung: Ein KI-gestütztes System soll helfen, Einsätze präziser zu planen und Streusalz gezielter einzusetzen.
Projekt „NachWinD“ gestartet
Das Forschungsprojekt trägt den Namen „NachWinD“ – kurz für „Steigerung der Nachhaltigkeit und Präzision im Winterdienst“. Bereits im Juni 2024 gestartet, läuft nun im Winter 2025/2026 der Praxistest.
Im Kreis Lippe sowie in der Stadt Paderborn – also in einem ländlichen und einem städtischen Gebiet – wurden rund 20 Sensoren installiert. Projektleiterin Kornelia Schuba erklärt, dass so reale Wintertage optimal zur Datensammlung genutzt werden konnten.
Sensoren messen Temperatur und Feuchtigkeit
Die Technik erfasst unter anderem die Temperatur der Straßenoberfläche und die Luftfeuchtigkeit. Einige Sensoren sind an Straßenlaternen angebracht, andere frei aufgestellt. Zusätzlich wurde ein Räumfahrzeug mit Messtechnik ausgestattet, um während der Einsätze weitere Daten zu sammeln.
Doch nicht nur Technik spielt eine Rolle. Die Forscherinnen und Forscher haben auch intensiv mit Einsatzleitenden im Winterdienst gesprochen. Welche Faktoren führen zur Entscheidung auszurücken? Wann wird bewusst darauf verzichtet?
„Die Einsatzleitenden kennen ihre Bezirke ganz genau“, betont Schuba. Dieses Erfahrungswissen werde systematisch erfasst und in einer Wissensdatenbank gespeichert, damit es langfristig erhalten bleibt.
KI soll Empfehlungen geben
Ergänzt werden die Sensordaten durch Wetterberichte und historische Verbrauchsdaten zum Streusalz. All diese Informationen fließen in eine zentrale Datenbank. Darauf aufbauend soll eine Künstliche Intelligenz künftig konkrete Handlungsempfehlungen aussprechen – etwa zur optimalen Route oder zur Frage, ob ein Einsatz wirklich notwendig ist.
Das Ziel ist ambitioniert: Die Zahl der Räum- und Streufahrten soll um rund zehn Prozent sinken, der Salzverbrauch idealerweise um 15 Prozent. So sollen Nachhaltigkeit und Verkehrssicherheit besser in Einklang gebracht werden.
Automatisches Streuen als Zukunftsvision
Langfristig denken die Forschenden sogar weiter: Streufahrzeuge könnten technisch so aufgerüstet werden, dass sie je nach Streckenabschnitt automatisch unterschiedlich viel Salz ausbringen – mehr auf Brücken und Steigungen, weniger auf flachen Abschnitten. Solche Ansätze könnten auch über das offizielle Projektende im Mai 2027 hinaus verfolgt werden.
Mensch bleibt entscheidend
Trotz aller Technik stellt Projektleiterin Schuba klar: Die Verantwortung bleibt beim Menschen. „Bei mehreren Zentimetern Schnee ist klar, dass der Winterdienst ausrücken muss. Aber was, wenn nicht eindeutig ist, ob und wo es glatt ist?“ Gerade in solchen Grenzfällen könne jede zusätzliche Information helfen.
Die finale Entscheidung treffe jedoch weiterhin der Mensch. „Die KI unterstützt nur“, betont Schuba.

