„Wenn die Diagnose alles zerreißt“ Klinikseelsorger Johannes Brüseke über Krankheit, Angst und neue Hoffnung – Lemgo Radio Nachrichten
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„Wenn die Diagnose alles zerreißt“ Klinikseelsorger Johannes Brüseke über Krankheit, Angst und neue Hoffnung

Florian Jäger

Eine schwere Diagnose trifft Menschen oft wie ein Schlag. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs – plötzlich ist nichts mehr, wie es war.

Eine schwere Diagnose trifft Menschen oft wie ein Schlag. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs – plötzlich ist nichts mehr, wie es war. „Krankheit verändert das Leben“, sagt Johannes Brüseke, seit mehr als zehn Jahren katholischer Klinikseelsorger im Klinikum Lippe. Und er weiß, wovon er spricht, berichtet Mein Lemgo News.

„Nach einer Krankheitsdiagnose geht es nicht einfach weiter wie vor der Erkrankung“, erklärt Brüseke. Routinen zerbrechen, Sicherheiten bröckeln, Zukunftspläne geraten ins Wanken. Was gestern selbstverständlich war, fühlt sich heute fragil an. Für viele beginnt mit der Diagnose nicht nur eine medizinische, sondern vor allem eine seelische Herausforderung.

Zwischen Angst und Aufbruch

In dieser Ausnahmesituation setzt Brüseke an. Er bietet Krankenberatung und seelsorgerliche Begleitung für Menschen an, die sich mitten in einer Erkrankung befinden oder noch lange nach dem Klinikaufenthalt mit den Folgen ringen. Auch Angehörige, die häufig im Schatten der Erkrankten stehen, finden bei ihm Raum für ihre Sorgen.

Bis zu drei Gespräche umfasst das kostenfreie Angebot. „So etwas braucht Ruhe und Zeit“, betont der Seelsorger. Es gehe nicht um schnelle Antworten, sondern um das behutsame Finden einer ganz eigenen Antwort auf die neue Lebenssituation. Ziel sei es, neues Vertrauen in das Leben zu entwickeln Schritt für Schritt.

Neue Wege zur eigenen Stärke

Derzeit erweitert Brüseke seine Kompetenz durch eine Ausbildung zum Focusing-Therapeuten. Diese Methode helfe Menschen, wieder in Kontakt mit ihren eigenen Empfindungen zu kommen. „Focusing ist eine wertvolle Hilfe, neue Zugänge auch zu sich selbst zu finden“, sagt er. Gerade in Zeiten existenzieller Verunsicherung könne dieser Zugang entscheidend sein.

Seine Begleitung richtet sich ausdrücklich auch an Menschen, die nicht (mehr) im Krankenhaus behandelt werden. Als Seelsorger ist Brüseke an beiden Standorten des Klinikum Lippe tätig in Detmold und Lemgo. Die Gespräche können entsprechend an beiden Orten stattfinden.

Was bleibt, wenn das Leben aus der Bahn gerät? Für Johannes Brüseke ist es die Überzeugung, dass selbst nach tiefen Einschnitten neue Hoffnung wachsen kann wenn jemand da ist, der zuhört.

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