Nach mehr als einem Jahrhundert ist die historische Apfelsorte „Fürst Lippe“ wieder aufgetaucht. Möglich wurde die Wiederentdeckung durch das Engagement der Lemgoer Gruppe im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die sich für den Erhalt regionaler Obstsorten einsetzt.
BUND-Pressesprecher Willi Hennebrüder hatte rund 20 Jahre lang nach der verschollenen Sorte gesucht, um sie erneut in Lemgo anzupflanzen. Der entscheidende Hinweis kam im Jahr 2022 vom Pomologen Hans-Joachim Bannier aus Bielefeld. Er war auf Apfelbäume gestoßen, deren Sorte zunächst unbekannt war.
Nach der Veredelung und Untersuchung der Früchte stand fest: Es handelt sich um den lange gesuchten „Fürst Lippe“-Apfel. Die Identifizierung erforderte umfangreiche Recherchen. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Digitalisierung historischer Fachliteratur, insbesondere der „Pomologischen Monatshefte“, die zwischen 1855 und 1922 erschienen.
Bereits 1872 hatte der Pomologe Dr. Eduard Lucas die Sorte erstmals beschrieben – damals noch ohne gesicherte Herkunft. Spätere Quellen führten zunächst nach Wien, doch weitere Nachforschungen ergaben schließlich, dass die Sorte ursprünglich aus Veröcze im heutigen Kroatien stammt. Dort hatte Georg Wilhelm Fürst zu Schaumburg-Lippe im Jahr 1840 eine Herrschaft erworben was der Apfelsorte ihren Namen einbrachte.
Von dort gelangte der Apfel nach Bückeburg und wurde verbreitet, verschwand jedoch bis Ende des 19. Jahrhunderts aus den Verzeichnissen. Der „Fürst Lippe“ gilt als Winterapfel mit Haltbarkeit bis März und wird als leicht würzig mit einer dezenten Süße beschrieben.
Für die Rückkehr der Sorte in die Region sorgte schließlich Ulf Wüstenbecker aus Bielefeld, der den Apfel auf einer Streuobstwiese im Kalletal veredelte und weiterzog. Anfang dieses Monats wurden zwei Bäume der historischen Sorte am Schloss in Bückeburg gepflanzt und damit ein Stück regionaler Kulturgeschichte wieder lebendig gemacht.

