Zuckersteuer im Fokus: Kampf gegen Übergewicht hilft die Abgabe wirklich? – Lemgo Radio Nachrichten
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Zuckersteuer im Fokus: Kampf gegen Übergewicht hilft die Abgabe wirklich?

Florian Jäger

Die Debatte um eine Zuckersteuer gewinnt an Fahrt Experten sehen darin ein mögliches Mittel gegen Volkskrankheiten, doch es braucht mehr als nur eine Abgabe.

Immer mehr Fachleute fordern ein entschlossenes Vorgehen gegen übermäßigen Zuckerkonsum und bringen dabei eine Zuckersteuer erneut ins Spiel. Doch klar ist: Eine einzelne Maßnahme reicht nicht aus. Vielmehr brauche es ein umfassendes Maßnahmenpaket, das auch Werbung, Schulverpflegung und Aufklärung einbezieht.

Gesundheitsexperten betonen, dass vor allem die sogenannte Gesundheitskompetenz gestärkt werden müsse. Menschen sollen besser verstehen, welche Ernährung ihrer Gesundheit schadet und welche nicht. Gleichzeitig wird auch an die Eigenverantwortung appelliert.

Ein Blick ins Ausland zeigt mögliche Effekte: In Großbritannien wurde 2018 eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt. Eine Studie der University of Cambridge kommt zu dem Ergebnis, dass die Fettleibigkeit bei jungen Mädchen innerhalb von sechs Jahren um acht Prozent gesunken ist. Zudem reagierten viele Hersteller und reduzierten den Zuckergehalt ihrer Produkte.

Auch Verbraucherschützerin Ramona Pop sieht in einer solchen Abgabe Potenzial allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. So müssten auch Süßstoffe einbezogen und die Abgabe regelmäßig angepasst werden, um ihre Wirkung nicht zu verlieren. Wichtig sei zudem, dass die Einnahmen gezielt in Präventionsprogramme fließen, insbesondere für Kinder und Jugendliche.

Denn die Risiken sind erheblich: Zwar benötigt der menschliche Körper Zucker als Energiequelle, doch ein Übermaß kann gravierende Folgen haben. Studien zeigen, dass zuckerhaltige Getränke das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden oder Karies deutlich erhöhen. Gleichzeitig tragen sie aufgrund ihrer geringen Sättigungswirkung zu einer erhöhten Kalorienaufnahme bei.

Die wirtschaftlichen Folgen sind ebenfalls enorm: Schätzungen zufolge entstehen dem Gesundheitssystem jährlich Zusatzkosten in Milliardenhöhe durch den hohen Konsum von Softdrinks.

Auch Nordrhein-Westfalen spielt in der Debatte eine Rolle. Große Hersteller wie Coca-Cola GmbH betreiben mehrere Standorte im Land und produzieren eine Vielzahl zuckerhaltiger Getränke. Hinzu kommen regionale Anbieter wie Niederrhein Gold oder Limoment, die den Markt mitprägen.

Die Diskussion zeigt: Der Umgang mit Zucker ist längst nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern eine zentrale Herausforderung für Gesundheitspolitik und Gesellschaft.

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